Oldenburg - Das junge französische Quatuor Voce (Sarah Dayan und Cécil Roubin, Violine, der Bratscher Guillaume Becker und die Cellistin Lydia Shelley) ist ein neuer Stern am Quartetthimmel. Anlässlich des 5. Meisterkonzertes im Alten Landtag, ausgerichtet vom Oldenburger Kunstverein, erfreute es das Publikum mit einer lebendigen und sinnlichen Interpretation von Beethovens Streichquartett in c-moll, op.18, Nr. 4.
Das Quartett beginnt eher schwelgerisch, bisweilen auch auftrumpfend, das bei Beethoven sonst übliche Pathos einer Komposition in c-Moll steht aber nicht im Vordergrund. Die sympathischen Franzosen entlockten der Partitur melodischen Reiz und eine delikate Farbigkeit bei durchschnittlichen Tempi und einer angemessenen Rhythmisierung.
Das Wunderliche des Quartetts – auf ein Scherzo folgt ein Menuett, es fehlt aber ein kantabler langsamer Satz – wirkte selbstverständlich, eingegossen in eine ständig strömende Melodie, in die sich die starken Akzente bruchlos einfügten.
Die rumänische Geigerin Deborah Nemtanu spielte mit makelloser Technik und gelassener Souveränität Gabriel Faurés begeisternd klangschöne Violinsonate in A-Dur, op. 13. Ihre von Oliver Triendl am Klavier begleitete inspirierte Wiedergabe brachte den jeweils vorwaltenden seelischen Ausdruck kongenial und unmanieriert zum Klingen. Triendl schaffte mit seinem fein abgestuften Klavierspiel den atmosphärischen Rahmen, in dem sich die Geige gemütvoll zu Herzen gehend aussingen konnte.
Nach der Pause spielten alle sechs Künstler zusammen das kammermusikalische Konzert für Violine, Klavier und Streichquartett in D-Dur, op. 21, von Ernest Chausson. Die Sologeigerin Deborah Nemtanu ließ ihr Instrument über dem reichen und farbigen Klangteppich des Klavierquartetts schweben. Phasenweise drohte der dichte, auftrumpfende Klangteppich den Geigenklang zu schlucken, aber wenige Takte später erhob er sich wieder siegreich und strahlend über die massive Grundierung.
Chausson arbeitet vor allem im emotional überwältigenden Grave mit einer an Richard Wagner geschulten publikumswirksamen Harmonik und Chromatik. Nach dieser intensiven und kongenialen Interpretation gab es den verdienten langanhaltenden Beifall und eine Zugabe.
