Oldenburg - Der Weltuntergang ist kein Thema mehr. Die Oldenburger haben ihn aufgehalten. Und das ist nur eine wunderbare Erkenntnis von „Utopoly“, dem neuen Stück des Oldenburgischen Staatstheaters, das jetzt in der Exerzierhalle seine Premiere feierte. Die andere ist, dass Theater mehr als nur frontale Bespielung sein kann.

In der Inszenierung von Benno Heinsel, Daphne Ebner und Simone Niehoff ist vor allem das Publikum gefragt – und das antwortete bei der Uraufführung am Donnerstagabend mit einem deutlichen „Ja, ich will“. „Utopoly“ hat keine Zuschauer, sondern Teilnehmer. Insgesamt vier Zukunftsvisionen stellen sich zur Wahl, um den Fortbestand der Menschheit in Hinblick auf mögliche Untergangsszenarien zu sichern. Das Publikum entscheidet, welcher Weg aus der großen Krise der richtige ist. Spielerisch erkundet es komplexe Utopien wie die Postwachstumsgesellschaft.

Das klingt nach trockenem Brot, ist aber tatsächlich enorm unterhaltsam. Wer sich zum Beispiel mit der Möglichkeit von schwimmenden Städten auf dem offenen Meer auseinandersetzt, der muss leckeren Algensalat probieren, Rettungsringe werfen und taktisches Geschick beweisen.

Entwickelt wurden diese kurzweiligen Spiele von Studenten der Universität Oldenburg. Diese fungieren auch als Spielleiter während des Stücks. Eine ungewohnte Erfahrung für die Teilnehmer – und aus diesem Grund sorgte wohl auch ein Kreislaufkollaps bei einer Studierenden gleich zu Beginn der Premiere für eine kurze Unterbrechung des Stücks.

Allerdings waren in der Exerzierhalle nicht nur Spieltrieb gefragt, sondern auch Ideen. Denn die vorgeschlagenen Utopien bilden nur den Rahmen. Die Ausgestaltung übernimmt das Publikum.

Die Theaterbesucher stellten sich dieser anspruchsvollen Aufgabe. Sie entwarfen gemeinsam ihre Zukunftsvisionen. In den meisten Fällen ging es um ein Oldenburg mit günstigem Wohnraum, einer autofreien Innenstadt, flexibler Kinderbetreuung und Mindesteinkommen.

Dass sich die Zuschauer so geistreich engagierten, lag auch am Ensemble des Staatstheaters. Sie sind in „Utopoly“ die Animateure einer besseren Zukunft. Während Rajko Geith charmant den Weltuntergang wegmoderiert, geben seine Schauspielkollegen Johannes Lange, Jens Ochlast, Magdalena Höfner und Klaas Schramm ihr Bestes, um das Publikum für die jeweiligen Utopien zu gewinnen. Von Vorteil ist dabei nicht nur die ansteckende Spielfreude aller Akteure, sondern auch die Bereitschaft, zu Improvisieren und auf jeden einzelnen Visionär zuzugehen.

„Utopoly“ ist mehr als ein Stück mit Zuschauerbeteiligung. Es ist ein Brückenschlag voller angenehmer Überraschungen zwischen Sitzplatz und Bühne, der nicht ganz einfache Inhalte spielerisch vermittelt. Das ist auch dringend notwendig. Schließlich gilt es, die Welt zu retten.