Sie erweitern ab sofort Ihren Service – eine Reaktion auf die intensive Nutzung Ihrer Bibliothek?

RoederJa, wir wollen grundsätzlich ein Angebot schaffen, das auf immer neue Interessen zugeschnitten ist. Wir arbeiten ständig daran, herauszufinden, was unsere Nutzer brauchen. Wir haben zum Beispiel erfahren, dass viele gern wesentlich mehr zum Thema Pflege lesen würden. Also haben wir besonders in diesem Bereich Bücher angeschafft, zumal es in Oldenburg eine Pflegeschule gibt, die keine eigene Bibliothek hat. Wo Bedarf ist, werden wir einspringen.

Wie haben sich die Gewohnheiten bei der Bibliotheksnutzung geändert? Sie haben ab heute unter der Woche eine Stunde länger bis 19 Uhr geöffnet.

RoederWie seit Jahren im Einzelhandel, so erweitern sich auch bei uns die Öffnungszeiten. Der Lebensrhythmus hat sich geändert. Als Landesbibliothek haben wir fast nur Erwachsene und sehr viele Berufstätige als Nutzer. Viele haben eben erst in den frühen Abendstunden Zeit für die Bibliothek. Da wollen wir keinen um 18 Uhr vor die Tür setzen.

Längere Öffnungszeiten: Haben Sie denn mehr Personal einstellen können?

Roeder Schön wär‘s. Nein, das müssen wir mit unseren eigenen Kräften schaffen. Wir haben das hier intensiv diskutiert. Da wurde klar: Wir können zwar nicht bis Mitternacht öffnen, aber wir können zumindest einiges bieten. Also machen wir wöchentlich insgesamt fünf Stunden länger auf – ein Kraftakt für alle im Haus. Jeder muss da mithelfen, jeder ist verantwortlich.

Jeder?

Roeder Ja, ich setze mich selbst auch regelmäßig an den Auskunftsplatz, auch ich übernehme mal eine Schicht am Sonnabendmorgen oder bleibe freitags bis 19 Uhr in der Bibliothek. Wir haben alle beschlossen, dass wir alle mehr Service bieten wollen – da bin ich stolz auf meine Kollegen.

Erwerben Sie eigentlich neue Bücher noch als klassisch gedruckte Bücher oder eher als E-Books?

RoederIn diesem Jahr beginnen wir erstmals, auch E-Books anzuschaffen. Bislang waren es fast nur traditionell gedruckte Bücher, denn in unserer letzten Besucherumfrage wurde deutlich, dass die meisten Menschen monografisch gedruckte Literatur wünschen – sprich: Fachbücher. Das ist ja ein Phänomen auch im Buchhandel: Es gibt zwar das Internet, aber heute werden viel mehr Bücher gedruckt als früher und offenbar auch verkauft. Das gedruckte Buch ist also längst nicht abgelöst.

Haben Sie denn mehr Mittel für die Anschaffung von Büchern zur Verfügung bekommen?

Roeder Unsere Mittel sind begrenzt. Wir haben einen Erwerbungsetat, der unter dem von vor zehn Jahren steht. Zur Verfügung haben wir aktuell 350 000 Euro jährlich für Erwerbung und Erhaltung. Im Jahr 2002 waren das noch 422 000 Euro. Es ist schon knapp.