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Projekt Malen macht Mut

Wardenburg - Amir malt lächelnde Wolken, aus denen Regen tröpfelt. „Es regnet in Deutschland so viel“, erklärt er. Anfangs hat er überwiegend Motive aus Afghanistan gezeichnet, mittlerweile bannt er Themen aus Deutschland auf die Leinwand. Der Neunjährige ist einer der Teilnehmer im Kunstprojekt „Brücke“, das die Diakonie Delmenhorst-Oldenburg Land gemeinsam mit der Gemeinde Wardenburg anbietet.

Idee kam über Nacht

Ursprünglich war das Flüchtlingsprojekt ausschließlich für Mädchen und Frauen gedacht, doch dem Charme des kleinen Amir konnte sich Projektleiterin Jutta Rudolf nicht entziehen. „Er hat so gebettelt, mitmachen zu dürfen“, lacht sie. „Und dann kamen noch ein paar junge Männer dazu, die auch gern teilnehmen wollten.“ So besteht die gemischte Gruppe mittlerweile aus zehn bis zwölf Hobbykünstlern. Amir ist der jüngste, die 49-jährige Susan die älteste.

Seit Oktober 2015 ist Jutta Rudolf in der Flüchtlingssozialarbeit der Diakonie für die Gemeinde Wardenburg zuständig. Insbesondere den geflüchteten und häufig traumatisierten Mädchen und Frauen ein Forum zu bieten, in dem sie ihre Erlebnisse handwerklich verarbeiten können, lag ihr schon länger am Herzen.

Die Idee zum Malprojekt kam im wahrsten Sinne über Nacht. „Ich bin aufgewacht und wusste: Das ist es“, sagt sie. Die meisten Teilnehmer ihres Kurses haben keine Vorerfahrung, sie experimentieren mit Bleistift, mit Acrylfarben und Buntstiften, zeichnen, tupfen, pinseln – und waren anfangs selbst erstaunt über die Kunstwerke, die dabei entstanden. Ihre Werke sind ab März in einer Ausstellung zu sehen. „Einige der Bilder zeigen, was die Menschen erlebt haben, was in ihnen vorgegangen ist“, erklärt Jutta Rudolf. „Ich finde es wichtig, der Öffentlichkeit die Bilder zu präsentieren.“ Für die Flüchtlinge selbst sei die geplante Ausstellung ein Erfolg, eine Wertschätzung. „Noch vor einem Jahr waren sie völlig fremd hier, jetzt stellen sie ihre Bilder im Rathaus aus – das ist toll.“

Erste Weihnachtsbäume

Amir hat zum allerersten Mal Weihnachtsbäume gemalt. Hussam zeichnet am liebsten und mit akribischer Genauigkeit Autos – er möchte eine Ausbildung zum technischen Zeichner machen. Solmaz malt großflächige Bilder, auf denen fast immer drei dunkle Figuren zu sehen sind. Eine der verblüffend professionellen Bleistiftzeichnungen von Susan zeigt eine Frau mit Augenbinde. „So war es in Afghanistan – man musste lernen wegzuschauen“, erklärt sie. Ali malt gerade Blumen mit leuchtenden Farben. „Beim Malen konzentriere ich mich. Dann denke ich an nichts anderes und bekomme den Kopf frei“, sagt der 18-Jährige, und sein Blick lässt erahnen, dass es vieles ist, woran er lieber nicht mehr denken möchte.

Bilder werden größer

Die Bilder seien im Laufe der Zeit großflächiger geworden, so die Beobachtung von Jutta Rudolf. „Mit jedem Bild ist der Mut größer geworden“, meint sie. Auch die Zusammenarbeit mit ihr habe sich verändert, hat sie festgestellt. „Hier bin ich keine offizielle Ansprechpartnerin auf der anderen Seite des Schreibtisches, sondern wir können ganz unkompliziert über alles sprechen.“ Und so gibt’s zu kreativen Tipps auch Alltagskunde in Deutschland ganz automatisch mit dazu.

Ursprünglich war das Projekt nur bis Ende 2016 konzipiert, bis zur Ausstellung im März aber macht die Gruppe auf jeden Fall weiter. Und danach? „Mal sehen“, sagt die Sozialarbeiterin. „Mittlerweile sind sie alle ganz gut hier angekommen, haben eigene Interessen, treiben Sport, absolvieren Integrationskurse. Früher oder später wird das Projekt auslaufen können.“ Die Ausstellung wird am 5. März um 11 Uhr im Rathaus-Foyer eröffnet.

Anke Brockmeyer
Anke Brockmeyer Reportage-Redaktion
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