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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Maler lockt aufs Sprungbrett

16.08.2013

Oldenburg Dass Ulf Puder beim Anblick des „Hüppe-Saals“ im Oldenburger Stadtmuseum die Assoziation „Hallenbad“ hatte, sollte man dem Leipziger Maler nachsehen. Das war keine Beleidigung, sondern nur der Ausgangspunkt für eine der witzigen Ideen dieses erfindungsreichen Konstrukteurs: Am Kopfende des Saals hat er ein eigens zusammengebautes Sprungbrett aus Styropor platziert, an dessen Geländer Handtücher hängen.

Schräg? Absurd? Ja und nein: Immerhin trägt die Ausstellung den knappen Titel „Pool“. Passt doch. Denn Wasser spielt darin keine geringe Rolle: Im oberen Saal plätschert es in einer Video-Endlosschleife vor sich hin, davor – zum Anfassen – ein hölzernes, archaisch anmutendes Kanu, dem sich niemand freiwillig anvertrauen würde.

Hintergrundrauschen

Eröffnung an diesem Freitag um 18 Uhr

Die Ausstellung „Pool“ mit Arbeiten des Leipziger Malers Ulf Puder, die der Kulturspeicher im Oldenburger Stadtmuseum präsentiert, wird an diesem Freitag, 18 Uhr, im „Hüppe-Saal“ eröffnet. Der Künstler wird anwesend sein.

Zur Einführung spricht Dr. Susanne Pfleger von der Städtischen Galerie Wolfsburg.

Zu sehen ist die Schau bis zum 22. September. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 10–18 Uhr.

Mit diesem Sinnbild ist auch schon einiges über die Ölgemälde des Künstlers ausgesagt, der zur Neuen Leipziger Schule gezählt wird: Die Natur – als Wasser, aber auch in Form von Gletschern, Bergen, Bäumen oder schwefelgelb glühendem Himmel – bildet eine Art Hintergrundrauschen für die menschliche Zivilisation, die Ulf Puder (Jahrgang 1958) durch Behausungen verschiedenster Art in Szene setzt. Raumsituationen, die trotz ihrer Fenster hermetisch, oft unheimlich und unbehaust wirken – eingeklemmt zwischen Gletscher („Weiße Pracht“), am, fast schon unter und auch auf dem Wasser („Pontonsiedlung“) oder besetzt von einem Baum („Fruchtbares Haus“).

Die Rolle, die der Heisig-Schüler der Natur zugedacht hat, ist schwer zu definieren. Zwar schieben sich die Häuser dominant ins Bild, doch sind Wasser, Berge und Wolken von der wehrhaften Sorte: Bei dem Bild „Landnahme“, auf dem Teile von Häusern, ein Kirchturm und zwei kaputte Windkrafträder wie auf einem Müllhaufen übereinanderpurzeln, ist noch die Frage, wer hier was nimmt: Der Mensch das Land oder das Land den Menschen?

In dem Bild „Offenes Gelände“ wird Puder eindeutiger: Über einem flachen, anonymen Gebäude – eine Art Einkaufszentrum mit Parkplatz – erhebt sich eine riesige, dunkel dräuende Windhose in einen giftig gelben Himmel, ein Tornado, der gleich das Gebäude wegfegt.

Den Menschen klammert Puder weitgehend aus. Einmal kann man verschwommen einen Mann von hinten beobachten, wie er im Bild „Pontonsiedlung“ über Bretter im Wasser balanciert, um zu einer dieser strengen, scharf konturierten Behausungen zu gelangen.

Dennoch ist der Mensch unübersehbar anwesend: nicht nur ahnungsvoll in den architektonisch kargen Häusern, sondern auch an den vielen zum Trocknen aufgehängten Handtüchern oder an den Geländerstangen, die eine Grenze zur umgebenden Natur ziehen, doch ohne Schutz zu bieten.

Reisetagebuch

Wem immer noch eine Erklärung für das Sprungbrett fehlt, sollte sich die Papierarbeiten ansehen. Es sind einige Folgen von Puders „Erfindungen“, die im Reiseblatt der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erscheinen. Da sieht man ungemein nützliche Dinge – etwa ein automatisches Rucksackregendach, eine Ampelregelung am Skihang oder eine Dachrinnenheizung gegen Eiszapfen. Dagegen kann das Sprungbrett im Museum nicht mehr verblüffen.

Regina Jerichow
Stellv. Redaktionsleitung
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2061

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