Harpstedt - Am Pfingstmontag hatte Malte Böhm Geburtstag gefeiert. Am Pfingstdienstag beschenkte er sich selber: Der 49-Jährige, der mit Ehefrau Tanja und Sohn Luca, sechs, an der Freistraße wohnt, ist der neue König der Harpstedter Bürgerschützen.
Die Konkurrenz am Dienstag war groß. 109 Bewerber nahmen am Königsschießen teil, 21 schafften es bis zum ersten Umschießen. In der zweiten Runde konnte sich Böhm dann gegen Ralf Möhlenhoff (III. Rott) durchsetzen.
Die Krönung war Höhepunkt eines Schiebenscheetens, das seinem Ruf als fröhliches, fast familiäres Fest gerecht wurde. Schon am Morgen hatte Bürgermeister Stefan Wachholder die Lacher auf seiner Seite, als er vor Offizieren und Pragern von der neuen Nutzung des Amtshof-Trauzimmers als Massagesalon schwärmte. Gerade noch rechtzeitig habe sich der Magistrat ankleiden können, als die Offiziere zum Abholen kamen.
Immer mittenmang: Noch-König Marco Roreger. „Eine ganz entspannte Angelegenheit“ sei seine Regentschaft gewesen, schilderte er. Majestät im Flecken zu sein, „das kann ich jedem empfehlen“.
Ein paar Straßen weiter weihte Ausbilder Günter Lorenz mit den zwölf Rekruten seines IV. Rott den neuen „Truppenübungsplatz Heinrich Böll“ ein. „Schleifen“ war da nicht angesagt, sondern Lachen: Kaum hatten die Neuen die witzige Inspektion ihrer Kleidung überstanden und erste Anweisungen erhalten („geradeaus ist da!“), da öffnete Lorenz seinen Werkzeugkoffer. Bedächtig streifte er sich seine Spezialhandschuhe („ich war mal Veterinär“) über, denn jetzt ging es an die Verköstigung der Rekruten mit Hochprozentigem. „Das Zeug ist ätzend“, erklärte Lorenz den grinsenden Zuschauern. „Waffenöl.“
Nach dem Festumzug wurde dann auf dem Koems-Gelände zum (gut besuchten) Bürgeressen gebeten – eine Stärkung für das, was noch kommen sollte.
Tempo machten an diesem Nachmittag die drei Richter Holger Bahrs, Cord Bolling und Udo Buhlrich. „Schwere Vergehen“ auf dem Koems-Platz seien zu ahnden, erklärte Bahrs. Zum Beispiel das Fehlen vom Blumenschmuck am Gewehr oder unangemessene Kraftausdrücke. 40 bis 50 Verurteilungen schaffte das Trio in gut 90 Minuten. Manch eine Delinquent wurde gar angekettet – wie Dennis Fritsche. „Irgendwann musste es mich ja erwischen“, ergab sich der Trommler aus dem IV. Rott in sein Schicksal. 5 Euro reichten für den Freikauf, zur Entlassung gab’s einen Schnaps.
Die Rottscheune wurde an diesem Nachmittag durch DJ Toddy in eine Hüttendisco verwandelt. „Eins kann mir keiner nehmen“, dröhnte es aus den Boxen, den Rest sangen die Feiernden: „... und das ist die pure Lust am Leben“.
