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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Ikone des Horrorkinos kommt nach Oldenburg

23.08.2014

Oldenburg An diesem Wochenende, sagt Torsten Neumann (49), der unermüdliche Leiter des Oldenburger Filmfestes, wird am Programmheft gearbeitet. „Mit Hochdruck, ganz hart“, betont er. Spätestens am darauffolgenden Wochenende soll das gedruckte Programm dann vorliegen.

Den Titel des Eröffnungsfilms will man am kommenden Montag bekanntgeben. Neumann schwärmt schon jetzt, macht aber noch ein Geheimnis drum. Jedenfalls soll es die „Welturaufführung“ eines deutschen Kinofilms werden. Man darf gespannt sein.

Mit 17 nach London

Wenigstens ein Geheimnis wurde nun gelüftet: Das Internationale Filmfest Oldenburg feiert in seiner Retrospektive den australischen Regisseur Philippe Mora (65). Gezeigt wird eine Auswahl seiner bemerkenswerten Kinowerke. Mora gilt als sehr wandlungsfähig. Neumann bezeichnet ihn als „getrieben von historischer Spurensuche und unerschöpflicher kreativer Energie“.

Mora ist der Patensohn von Marcel Marceau (1923–2007), war der Zimmergenosse von Eric Clapton (69) und gilt als die Entdeckung der Londoner Kunstszene der 60er Jahre. Vor allem aber ist er, so Neumann, „eine Ikone des Horrorkinos der 80er und unermüdlicher Filmdokumentarist“.

Mora kam 1949 in Paris als Sohn eines deutsch-jüdischen Résistance-Kämpfers und einer französisch-jüdischen Künstlerin zur Welt. Die Familie zog kurz darauf nach Melbourne, wo seine Eltern eine Kunstgalerie gründeten. Erste Filme drehte Mora schon als Teenager in Australien – eine Parodie der „West Side Story“ und eine Hommage an Fellinis „Achteinhalb“ – bevor es ihn als 17-Jährigen nach London trieb.

Mora arbeitete als Künstler, unter anderem auch mit Joseph Beuys. Als Filmemacher sorgten seine Dokumentationen für Aufsehen, insbesondere „Swastika“, in dem er alltägliche Aufnahmen aus dem Privatarchiv von Eva Braun, der Geliebten von Adolf Hitler, den Bildern der Nazi-Propagandamaschine gegenüberstellte. Der Film löste bei seiner Premiere in Cannes 1973 einen Skandal aus.

Mora kehrte nach Australien zurück und drehte Mitte der 70er Jahre „Mad Dog – Der Rebell“ mit Dennis Hopper. Der Film gilt heute als einer der herausragenden australischen Filme der Dekade.

Sohn eines Kämpfers

Später gab er sein US-Debüt mit dem hintersinnigen Horrorfilm „Das Engelsgesicht“. Auch seine Superhelden-Persiflage „The Return of Captain Invincible“ gilt als Kultfilm. Es folgten der Ökothriller „Die Brut des Adlers“ und seine Fortsetzungen von Joe Dantes „Das Tier“. Später widmete sich Mora wieder der dokumentarischen Geschichtsaufarbeitung, etwa in „German Sons“, einem Film, in dem er mit seinem Freund Harald Großkopf ihre beiden Herkunftsgeschichten erzählt – auf der einen Seite Mora als Sohn eines deutschen Juden und Resistancekämpfers, auf der anderen Seite Großkopf als Sohn eines Nazis. Auch Moras jüngste Werke („The Sound of Spying“) sehen sich in der Geschichte um.

Mora wird über den gesamten Zeitraum des Festivals Gast in Oldenburg sein und den Ehrenpreis des German Independence Awards überreicht bekommen.

Dr. Reinhard Tschapke
Redaktionsleitung
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2060

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