MANNHEIM - Deutschland wulfft und guttenbergt. Unfreiwillig stehen Politiker Pate für immer neue Verben. Neu ist diese Art der Wortschöpfung allerdings nicht, wie der Leiter der Duden-Redaktion Werner Scholze-Stubenrecht am Wochenende sagte. Schon früher wurde ein Tor ,gemüllert, das war als Kompliment an den ehemaligen Bayern-Stürmer Gerd Müller zu verstehen. Heute sind die Neuschöpfungen allerdings eher weniger schmeichelhaft.
Das Wort wulffen tauchte in der Affäre um Bundespräsident Christian Wulff auf. Es steht unter anderem für das Vollreden eines Anrufbeantworters. Guttenbergen steht schlicht für Abschreiben.
Ein weiterer Unterschied zu früher ist die rasante Verbreitung der neuen Verben durch Blogs und Chat-Rooms im Internet, sagte Scholze-Stubenrecht. Ob sie deswegen Eingang in den Duden fänden, müsse sich allerdings noch zeigen.
Die wenigsten Begriffe schaffen es auf Dauer in den deutschen Sprachgebrauch, betont er. Ausnahmen seien beispielsweise die Verben röntgen oder morsen, die von dem Namen des Physikers Wilhelm Conrad Röntgen beziehungsweise des Entwicklers des ersten brauchbaren Morseapparats, Samuel Morse, abgeleitet worden seien.
Wenn wir in ein bis zwei Jahren noch ,wulffen oder ,guttenbergen, dann ist der Zeitpunkt gekommen, um über eine Aufnahme der Begriffe in den Duden zu entscheiden, sagte Scholze-Stubenrecht.
Er schließt nicht aus, dass die Menschen der häufigen Neuschöpfungen schnell überdrüssig werden könnten. Selbst das ,gemüllerte Tor hat es bisher nicht in den Duden geschafft.
