Schlutter - Mit Linda de Mol fing alles an. Millionen klebten an den Bildschirmen, als die blonde Holländerin in den 1990er Jahren in der „Traumhochzeit“ Paare medienwirksam und quotenträchtig in Richtung Traualtar begleitete. Eine Requisite: weiße Tauben, die durch die Lüfte flatterten. Seither sind die „Columbidae“ für viele Heiratswillige ein Muss, oft ein Geschenk von Trauzeugen, Geschwistern, Freunden. Auch in unserer Region ist das so, weiß eine Namenscousine der Fee aus Holland: Linda Strodthoff.

Die Tierfreundin aus Schlutter ist, was Hochzeitstauben angeht, sozusagen Seiteneinsteigerin. Ehemann Dieter hatte schon vor Jahren Tauben gezüchtet, auch den Ganderkeseer Verein „Auf zur Heimat“ geleitet. Schon damals sei das Interesse an weißen Tauben aufgekommen, erinnert sich Linda Strodthoff. Also begannen die Eheleute, weiße Tauben zu züchten.

Das ist zehn, zwölf Jahre hat. Inzwischen flattern zwischen 80 und 100 weiße Tauben in den Verschlägen in Schlutter, betreut von Linda Strodthoff. Ob einzelne der Vögel denn Namen haben? Nein, schüttelt die Züchterin den Kopf und schmunzelt: Dazu seien es wohl doch zu viele. Dennoch kennt sie ihre Schützlinge genau, auch deren große Vorliebe: „Sie wollen fliegen.“

Ein- bis zweimal täglich öffnet Linda Strodthoff die Verschläge, dann ist „Training“ angesagt. Gelegentlich fährt sie mit einigen jungen Tauben im Korb auch ein paar Kilometer weiter weg, lässt sie an unbekannter Stelle starten – „damit sie die Umgebung kennen lernen.“

Tauben, so erklärt die Schlutteranerin, hätten bei Trauungen symbolische Bedeutung. „Sie gelten als Zeichen des Friedens, der Treue und der Heimkehr.“ Wenn sie zu einer Hochzeit nach Bremen oder Oldenburg, nach Rastede, Vechta oder zum Beispiel zur Mühle in Habbrügge bestellt wird, nimmt sie jeweils 15 Tiere mit – „eine Mannschaft“ nennt sie das. Nach dem Ringetausch biete sie den frisch gebackenen Eheleuten an, je eines der Tiere selbst in die Hand zu nehmen. Nur ganz wenige hätten Angst, die Vögel festzuhalten, „vielleicht ein, zwei Prozent“. Dann sagt Linda Strodthoff ihren Spruch auf – und ab geht die Post.

Allerdings gibt es Ausnahmen. Zum Beispiel die kalte Jahreszeit. Üblicherweise ist die Schlutteranerin mit ihren Schützlingen zwischen Ostern und Oktober unterwegs, in diesem Jahr fand die „Saisoneröffnung“ wegen der anhaltenden Kälte erst vor neun Tagen statt.

Eine andere Ausnahme: Gewitter. „Dann sind Spannungen in der Luft, die Tauben finden nicht nach Hause. Da sind fünf Kilometer schon zu weit.“ Die Vögel würden versuchen, die Gewitterfront zu umfliegen und wären dadurch womöglich lange unterwegs. „Das wäre Tierquälerei.“ Bei solchen Wetterlagen sagt Linda Strodthoff schon im Vorfeld der Hochzeit ab.

Ob ihr der Einsatz denn Spaß bereite? „Ja“, sagt Linda Strodthoff überzeugt. Das gelte sowohl für die Taubenzucht als auch für die Hochzeiten selbst: „Die Leute sind gut drauf.“