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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Posse um nackte Frau im Rathaus Marienhafe

12.03.2019

Marienhafe /Ostfriesland Streit um ein Akt-Foto: In den Augen mancher ist es regelrechte Pornografie, das Kunstwerk „Akt stehend“, das kürzlich für wenige Stunden im Marienhafer Rathaus zu sehen gab. Betrachter beschwerten sich bei der Gemeindeverwaltung. Die reagierte. Und der Kunst- und Kulturzirkel Brookmerland als Veranstalter bekam eine klare Ansage: Das Bild des Marienhafers Michael Hentschel musste sofort verschwinden.

Er sei darüber fassungslos, sagt Holger Kleen, Sprecher des Zirkels. „Immerhin herrscht in Deutschland Kunstfreiheit.“ Das Bild wurde am vergangenen Freitag auf- und dann wieder abgehängt. Am Samstag zur Vernissage der Ausstellung „Aleatorie – Wege aus der 2. Dimension“ durfte es noch einmal einen Tag lang gezeigt werden. Keiner der rund 70 Besucher der Eröffnung habe sich kritisch zu dem Nacktfoto geäußert, erklärt Kleen. Stattdessen sei von „hervorragenden“ Werken die Rede gewesen. Weiter erklärt er zu dem Fall: „Bei einer Ausstellung gehört alles zusammen. Man kann nicht einfach ein Exponat entfernen. Es ist das erste Mal, dass in unsere Ausstellungen eingegriffen wurde.“

Er ärgere sich über die entbrannte Diskussion, sagt Hentschel. Entblößte Menschen seien in der Kunstgeschichte nichts Neues. Außerdem werde nun nicht mehr über die Inhalte und Aussagen seiner Schau als Gesamtwerk gesprochen, bei der eine Schnitt-Technik im Vordergrund stehe, mit der er eigene Digitalfotos bearbeitet habe, meint er. Inzwischen hat Hentschel das Bild laut NDR so weit geschreddert, dass nun weder Brüste noch Intimbereich zu sehen sind. „Wir haben uns in unserem Humor auf halbem Wege getroffen“, habe der Künstler über seine Einigung mit Bürgermeister Gerhard Ihmels (SPD) im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen gesagt. Die Aktion erinnert an das geschredderte „Girl with Balloon“ von Banksy.

Ein weiterer Künstler, der schon in dem Rathaus ausgestellt hat, äußerte sich ebenfalls über diese Geschichte. Robert Eid aus Hinte hatte vor gut einem Jahr ein Bild des Teufels gezeigt. Auch er habe seine Kunst entfernen müssen, sagt er. „Es ist aber lächerlich, dass man sich an meinen Bildern echauffiert“, monierte Eid. Immerhin handelte es sich bei den Ölgemälden um Abbildungen aus der „Göttlichen Komödie“, die als eines der größten Werke der Weltliteratur gelte.

Eid gab damals klein bei, um das gute Verhältnis des Kunst- und Kulturzirkels zur Gemeinde nicht zu stören. Als er von der Geschichte mit dem Aktbild hörte, habe er sich erinnert. Mit Kunstfreiheit hätten es die Marienhafer Verwaltungsleute offenbar nicht so, beklagt er.

Hentschel, der Fotografie und Grafikdesign studiert hat, bemängelt zudem, dass die Verwaltung sich nicht an ihn, sondern an den Kunst- und Kulturzirkel gewandt habe. Er versichert, dass er das Bild ohne Aufsehen abgenommen hätte, wenn die Gemeinde direkt mit ihm in Kontakt getreten wäre.

Bürgermeister Gerhard Ihmels hatte vor Tagen erklärt, dass die Stadtverwaltung Bilder entfernen müsse, wenn es Beschwerden seitens der Rathausbesucher oder -mitarbeiter gebe. Der Kunst- und Kulturzirkel Marienhafe fordert nun ein klärendes Gespräch mit dem Bürgermeister.

Die Ausstellung ist bis zum 30. April im Rathaus zu sehen.

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