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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Marketing oder Demütigung?

11.08.2012

FRANKFURT Als Eugen Ruge 2011 den Deutschen Buchpreis erhielt, dauerte es nur wenige Tage, bis „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ auf Platz eins sämtlicher Bestsellerlisten stand. „Deutlich über 350 000 Exemplare“ hat der Rowohlt-Verlag seither davon verkauft, berichtet Verleger Alexander Fest. Die Auszeichnung habe den Erfolg des Buchs „außerordentlich befördert“.

Seit 2005 vergibt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels den Deutschen Buchpreis. Einer der Erfolgsfaktoren: Die gestaffelte Ernennung. Jetzt geht das Rennen wieder los: Am 15. August veröffentlicht der Börsenverein die sogenannte Longlist mit 20 Titeln, am 12. September folgt dann die Shortlist, auf der noch sechs Titel übrigbleiben. Erst am 8. Oktober, kurz vor Beginn der Frankfurter Buchmesse, wird der Sieger bekanntgegeben. Das sichert die volle mediale Aufmerksamkeit. Dass der Sieger 25 000 Euro erhält und die übrigen fünf Autoren der Shortlist je 2500 Euro, ist fast Nebensache.

Fest schätzt, dass die Verkaufszahlen von Ruges Buch dank der Auszeichnung etwa auf das Dreifache gestiegen sind. Nicht nur für den Rowohlt-Verleger ist der Buchpreis „der einflussreichste Preis für ein einzelnes Buch im ganzen deutschsprachigen Raum“.

Nicht alle finden das eine gute Idee. Am drastischsten formulierte Bestsellerautor Daniel Kehlmann seine Kritik. In einem Zeitungsbeitrag plädierte er schon 2008 dafür, den Preis wieder abzuschaffen. Die Vergabe-Prozedur sei für Schriftsteller „demütigend“ und „eine Quelle der Sorge und der Depression“. Kunst sei kein Sport. „Ein solches Spektakel mag die Umsätze des Buchhandels erhöhen, für die Literatur ist es bedauerlich“, befand Kehlmann.

Der Börsenverein verteidigt die „Dramaturgie“ des Preises: Die stufenweise Juryauswahl habe sich sehr bewährt, findet Sprecherin Claudia Paul. „Dadurch wird nicht nur ein Siegertitel in den Mittelpunkt gerückt, sondern die Aufmerksamkeit auf eine Vielzahl von Neuerscheinungen gelenkt.“ Außerdem werde damit die Arbeit der Jury transparent. Anders als bisweilen behauptet werde kein Autor gezwungen, persönlich zur Preisvergabe am Tag vor Eröffnung der Buchmesse anzureisen.

Auch die Kritikerin Elke Heidenreich und der Schriftsteller Wilhelm Genazino gehören zu den Gegnern. Sie stören sich daran, dass Literatur wie ein sportlicher Wettkampf inszeniert wird. Für Klaus Reichert, den Präsidenten der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, ist der Buchpreis sogar ein reines Medienereignis.

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