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Archäologie Maßarbeit an Stadtmauer-Resten

Oldenburg - Grabungstechnikerin ist die Berufsbezeichnung, ihre Arbeit ist zur Dokumentation und Archivierung bei Ausgrabungen unverzichtbar. Angelika Schwalke-Utku (53) und Elfi Gossens (56) stehen zurzeit täglich in der Baugrube zwischen Waffenplatz und Heiligengeistwall.

Dort, wo sich einst die Broweleit-Häuser befanden, wurden Reste einer Stadtmauer gefunden, die im Mittelalter die Stadt umgab, um Oldenburg und ihre Bewohner vor Angriffen feindlicher Truppen zu schützen.

Für die Freilegungen am Waffenplatz hat das Team um Bezirksarchäologin Dr. Jana Fries und Grabungsleiter Thies Evers bis in den September hinein noch Zeit (NWZ  berichtete). Dann wird auf dem Gelände bis Ende 2014 für die Wildeshauser TBM Alpha Vermögensverwaltung ein Wohn- und Geschäftshaus mit Tiefgarage, Läden, Gastronomie, Büros und 14 Mietwohnungen errichtet.

Ein langes Stück mittelalterliche Stadtmauer, Hinweise auf einen Wehrgang an dieser Stelle, das Fundament eines Turms, die Reste des Wassergrabens und ein alter Brunnen: Das haben die Archäologen dort bisher entdeckt. Den Passanten bietet sich in diesen Wochen ein zeitlich befristeter Blick auf mehrere Jahrhunderte Oldenburger Geschichte.

Archäologen bewerten

Die Grabungstechnikerinnen Elfi Gossens und Angelika Schwalke-Utku sorgen dafür, dass späteren Generationen dieser einzigartige Anblick erhalten bleibt – wenn auch digital. Die Frauen vermessen die Fundstelle mittels eines Tachymeters und Computers, fotografieren, zeichnen aber auch, um die mittelalterlichen Mauerreste später zu katalogisieren. Die Bewertung ist den Archäologen vorbehalten. Die Mauerreste stammen aus dem 14. bis 17. Jahrhundert.

„Die Zeichnungen der Bodenschichten sind abstrahiert, sie beinhalten unsere Deutungen“, erklärt Schwalke-Utku die antiquiert anmutende Verfahrensweise. So könnten auch viele Jahre später Zeichnungen und Fotografieren nebeneinandergelegt und gedeutet werden. „Aus jedem Medium kann man etwas anderes herauslesen und Schlüsse ziehen“, sagt die 53-Jährige.

Grabungstechnikerin Schwalke-Utku sieht sich als Wanderarbeiterin, die dort lebt, wo ihre Kenntnisse benötigt werden. Vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, Stützpunkt Oldenburg, hat die Aachenerin bereits zum dritten Mal einen Auftrag bekommen. Davor hat sie in Visbek (Landkreis Vechta) den Bau einer Gasleitung begleitet, Bodenfunde sichergestellt und ist dort möglicherweise auf Siedlungsreste gestoßen.

Kollegin Elfi Gossens wohnt in Westrhauderfehn und hat in Oldenburg sozusagen ein Heimspiel, das sie für den befristeten Zeitraum zur Pendlerin macht. Zuvor hat sie im Auftrag der Ostfriesischen Landschaft in Aurich bei einer großen Grabung im Zuge der Verlegung neuer Abwasserkanäle haufenweise Torfsodenbrunnen sowie ein altes Gewölbe für Weinfässer und Hölzer in einem alten Hafenbecken freigelegt.

Studiert hatte sie eigentlich Germanistik, Romanistik und Erziehungswissenschaften. Zur Archäologie ist sie im Rahmen eines Jobs in den Semesterferien gestoßen. Schwalke-Utku ist gelernte Architektin.

Holzfundamente

Die Grabungstechniker und Mitarbeiter wollen in den nächsten Wochen noch tiefer in die Erde und damit in die Oldenburger Geschichte vordringen. Unter den Steinen befinden sich Holzfundamente, weiß Grabungsleiter und Archäologe Thies Evers. So lässt sich durch ein spezielles Untersuchungsverfahren (die Radiokarbonmethode) der Zeitpunkt des Stadtmauerbaus genau bestimmen.

Thomas Husmann
Thomas Husmann Redaktion Oldenburg
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