Osnabrück - Die Kritik an der geplanten Verleihung des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises an den umstrittenen syrischen Dichter Adonis reißt nicht ab. Der Gründer der Hilfsorganisationen „Cap Anamur“ und „Grünhelme“, Rupert Neudeck, nannte jetzt im „Kölner Stadt-Anzeiger“ die Verschiebung der Preisverleihung auf das Frühjahr einen „halbherzigen und feigen“ Schritt. Die Stadt Osnabrück hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass die Preisverleihung verschoben werde.

Adonis sollte die mit 25 000 Euro dotierte Auszeichnung der Stadt eigentlich am 20. November entgegennehmen. Nachdem die Stadt den Preisträger im Sommer verkündet hatte, war Kritik laut geworden. Syrische Oppositionelle, Menschenrechtler und auch der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, warfen dem Dichter eine undistanzierte Haltung zum Regime des Machthabers Baschar al-Assad vor.

Neudeck riet der Stadt, ihre Entscheidung für Adonis zu revidieren und nicht nur aufzuschieben: „Wir müssen alle Unentschiedenheit gegenüber den Massenmorden und Vertreibungen vermeiden, die auf das Konto des Regimes Assad gehen.“

Der Philosoph Sadik Al Azm, einer der führenden syrischen Intellektuellen, sagte, Adonis könne mit seinen zweideutigen, doppelzüngigen und vagen Äußerungen zur Gewalt der syrischen Regierung gegen das eigene Volk keinen Friedenspreis erhalten. „Die Verschiebung der Verleihung ist eine gute Nachricht für Syrien und die Opposition, nur müsste sie unendlich währen. An Adonis’ Stelle würde ich den Preis ablehnen“, unterstrich Al Azm.

Der Literaturkritiker Hubert Winkels verteidigte für die Jury die Auszeichnung und auch die Verschiebung der Preisverleihung an Adonis. Die Entscheidung „stand und steht nicht infrage“, sagte er. Die Jury habe im Licht der Kritik und nach nochmaliger Prüfung die Gegenargumente für nicht schwerwiegend genug gehalten. Die Jury hatte zuvor betont, sie wolle mit dem Preis Adonis’ Eintreten für eine Trennung von Religion und Staat sowie die Gleichberechtigung der Frauen in der arabischen Welt würdigen.

Die Stadt hatte am Mittwoch die Verschiebung aus organisatorischen Gründen angekündigt. Für das Rahmenprogramm des Festaktes hätten sich keine Gesprächspartner gefunden, die sich mit dem Dichter und seinem Werk auseinandersetzen wollten. Dennoch halte die Stadt an der Verleihung fest, betonten der Juryvorsitzende, Uni-Präsident Wolfgang Lücke, und Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU).