Langwarden - Zwölf Jahre ist es bereits her, seitdem Thomas Wegst seine Tätigkeit als Kreiskantor in Blexen aufgab, um in Köln einen neuen Wirkungskreis als Kirchenmusiker aufzubauen. Nicht vergessen hatte ihn der jetzige Organisator der mittlerweile traditionellen und anerkannten Langwarder Orgelkonzerte, Sebastian Bethge.
Barocke Stimmung
Seine Anfrage, das letzte Konzert des diesjährigen Langwarder Orgelsommers zu gestalten, wurde von Thomas Wegst positiv beantwortet und erfreute so manch einen ehemaligen Mitstreiter aus seinem damaligen Blexer Wirkungskreis.
Mit einem Programm, dass speziell auf die einzigartige in authentischer barocker mitteltöniger Stimmung gehaltene Orgel der St. Laurentius Kirche abgestimmt wurde, stellte der Kölner Kreiskantor am vergangenen Freitagabend wichtige Vertreter der Norddeutschen Orgelschule aus der Zeit des 16. und 17. Jahrhunderts vor. Mit der ruhigen Fantasia in G ermöglichte er dem Publikum einen Höreindruck aus Heinrich Scheidemanns (1595- 1663) Schaffen.
Mit klaren Linien, durchsichtiger Vortragsweise in getragenem Tempo interpretierte Wegst diese Komposition des Schülers des zu der damaligen Zeit sehr angesehenen Amsterdamer Organisten Jan Pieterszoon Sweelinck (1562-1621). Aus Sweelincks Schaffen selbst, wählte Wegst das tänzerische Balletto del granduca mit fünf Variationen aus. Die hierin geforderten häufigen Klangwechsel eigneten sich hervorragend, um die vielen schönen Registrierungsmöglichkeiten der Orgel mit den damals gern gehörten barocken Klangvorstellungen einzusetzen.
Hilfestellungen für die vielen Registerwechsel leistete an diesem Abend die aus Nordenham stammende Katerina Orlov. Mit der Bearbeitung des Chorals „Ich hab dich gehoffet, Herr“ wurde ein heute eher unbekannter Repräsentant der Norddeutschen Orgelschule vorgestellt.
Franz Tunder (1614- 1667), Schwiegervater des bereits zu Lebzeiten bekannten Orgelvirtuosen Dietrich Buxtehude (1637- 1707) und Hoforganist von Friedrich III. war zweifellos zu Lebzeiten sehr geachtet, doch leider gilt bis zum heutigem Tage der größte Teil seines Werkes als verschollen.
Typische Stilelemente
Aus diesem Grunde erhielt die Aufführung dieser Choralbearbeitung besondere Aufmerksamkeit. In der Art des Einsatzes typisch barocker Stilelemente stachen in der Interpretation von Thomas Wegst vor allem die durch unterschiedliche Registrierungen möglichen Echowirkungen hervor.
Die verspielten Melodien über lang anhaltende Orgeltöne und die Hervorhebung von Motivsequenzierungen wurden ebenso deutlich. Samuel Scheidts (1587-1654) „Fantasia super Io son ferito lasso“ wirkte dagegen durch das langsame getragene Tempo und den kleinschrittigen Motiven eher meditativ.
Ganz anders, lebendig, quirlig und virtuos gestaltete dagegen der ehemalige Kreiskantor aus Blexen das Präludium in D, BuxWV 139 und das Magnificat primi toni, BuxWV 203 von Dietrich Buxtehude.
Stilistische Facetten
Am Ende dieses interessanten musikalischen Überblicks über die Norddeutsche Orgelschule inklusive ihrer stilistischen Facetten ließ das Publikum Thomas Wegst erst nach einer Zugabe zum wohlverdienten erholsamen Teil des Abends kommen.
