Rastede - Selten war das Palais bei einer Vernissage so überfüllt wie am Sonntag bei der Eröffnung der Ausstellung „Tanzender Pinsel“ – Tuschmalerei.

Die Künstlerin, Ingelberga Scheffel, erläuterte ihre Technik so: „Einen selbst gemachten, besengroßen Pinsel tauche ich in den Tusche-Eimer, hebe ihn über das weiße Papier – und schwarze Regentropfen tropfen“. Dann hole sie zu einer Körper-Drehbewegung mit dem „Ch’i“ (Leben) des Atems aus. Impulsiv ohne Denken. Sie benötige eine große Konzentration dazu, die sie aus der Zen-Meditation schöpfe, so Scheffel.

Prof. Rudolf Prinz zur Lippe, emeritierter Professor der Universität Oldenburg, sprach zur Einführung über das Schaffen der Künstlerin. Zur Lippe sprach von den Gegensätzen im Leben, die so wichtig seien. Von der Heiterkeit und der Strenge, von der Kraft und der Ruhe. „Diese Gegensätze sind es, die auf so wunderbare Weise zusammen kommen und das Leben ausmachen“, so zur Lippe. Dies sei das „Do“ – und bedeute „der Weg“ auf Japanisch.

Auch befremdliche Gefühle sollten zum Hinschauen motivieren. Sogar bei Goethe hätte er viele Hinweise gefunden, das Leben zu gestalten. „Ich finde es schön, dass der ‚alte‘ Goethe uns auf neue Gedanken gebracht hat“, meinte der Professor für Ästhetik. In den Werken von Ingelberga Scheffel würde man die Durchlässigkeit spüren, denn das sei das Geheimnis des Zen-Buddhismus. „Im Leib darf sich nichts sperren“, empfahl er den Zuhörern.

Beim Betrachten der Bilder käme man ins Tanzen. Das kalligraphische Üben führe zu der Kunst von Scheffel. „Aus diesem Üben ist Frau Scheffel in wunderbare Freiheitsgrade gekommen, die diese Arbeiten symbolisieren“, so zur Lippe. Dr. Claudia Thoben erklärte: Die ostasiatische Kunst der Tuschmalerei (Sumi-e) sei keine naturgetreue Darstellung, sondern es solle der Wesenskern zum Ausdruck gebracht werden. Die Präsidentin der deutsch-japanischen Gesellschaft Nordwest zu Oldenburg, Sachiko Szyska, lobte die Energie und den Zeitaufwand der Künstlerin.