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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Kino: Mehr als eine Geschichtsstunde

04.11.2014

Berlin Der Frankfurter Auschwitz-Prozess war ein juristischer Meilenstein in der Aufarbeitung des Holocaust. Jetzt setzt ein neuer Film den Helden von damals ein Denkmal. Gut 50 Jahre nach Beginn des Prozesses kommt „Im Labyrinth des Schweigens“ ins Kino (Start an diesem Donnerstag). Regisseur Giulio Ricciarelli erzählt die – fiktive – Geschichte des jungen Staatsanwaltes Johann Radmann (Alexander Fehling), der in den frühen Wirtschaftswunderjahren der Bundesrepublik Deutschland erst noch lernen muss, was Auschwitz wirklich bedeutet hat.

Mit viel Tiefgang

Als Jung-Jurist hat er zunächst vor allem seine Karriere im Sinn, als plötzlich der Journalist Thomas Gnielka (André Szymanski) im Gericht auftaucht. Ein Freund von ihm, der Auschwitz überlebte, hat einen ehemaligen Wärter des Konzen­trationslagers ausgerechnet als Lehrer auf einem Schulhof wiederentdeckt. Diesen Wärter will der Journalist nun anzeigen.

Doch nur wenige Jahre nach dem Ende der blutigen Nazi-Terrorherrschaft will ihm niemand zuhören. Seine Anklage – auf einen Zettel geschrieben – landet im Papierkorb, droht, im „Labyrinth des Schweigens“ verloren zu gehen. Radmann nimmt sich der Sache an. Rückendeckung erhält er dabei von dem gar nicht fiktiven Generalstaatsanwalt und Nazi-Jäger Fritz Bauer (gespielt von Gert Voss), der ihm die Leitung der Ermittlungen überträgt.

Hauptdarsteller Fehling, der sich akribisch auf die Rolle vorbereitet hat, spielt das alles facettenreich, mit viel Tiefgang. Das Engagement des Anwalts wird immer mehr zur Besessenheit. Sein unbedingter Wille, den mörderischen KZ-Arzt Josef Mengele zur Strecke zu bringen, lässt für ihn alles andere verblassen.

Während die Nürnberger Prozesse von den Alliierten ausgingen, war der Frankfurter Auschwitz-Prozess der erste, in dem sich die deutsche Justiz mit den Gräueltaten der Nationalsozialisten auseinandersetzte. Trotzdem ist das, was dort in Frankfurt vor Gericht geschah, längst nicht allen so geläufig wie etwa der Auftritt von Nazi-Verbrecher Hermann Göring in Nürnberg, der dem Todesurteil durch Suizid entging.

Die Worte fehlen

Der Frankfurter Prozess trug maßgeblich dazu bei, dass Auschwitz zum Synonym wurde für die Gräueltaten der Nationalsozialisten, für den Massenmord an Millionen Juden. Vom 20. Dezember 1963 an saßen 22 Männer in Anzug und Krawatte auf der Anklagebank, die mitverantwortlich gewesen sein sollen für den millionenfachen Mord an Juden, Behinderten, Sinti und Roma im Konzentrationslager Auschwitz. Die Männer waren im Krieg mordende SS-Offiziere ebenso wie brutale KZ-Aufseher oder menschenverachtende KZ-Ärzte – und sie sind rund 20 Jahre später angesehene Unternehmer oder einfach nette Nachbarn.

Vielen führte die „Strafsache gegen Mulka u.a.“ in Frankfurt erst vor Augen, was die „Endlösung der Judenfrage“ wirklich bedeutet hat. „Hinter diesem Tor begann eine Hölle, die für das normale menschliche Gehirn nicht auszudenken ist und die zu schildern die Worte fehlen“, sagte der Vorsitzenden Richter Hans Hofmeyer am Ende.

„Im Labyrinth des Schweigens“ ist ein wichtiger, ein lehrreicher Film, der aber vor allem dank Hauptdarsteller Fehling viel mehr ist als eine Geschichtsstunde.

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