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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Mehr als regional: deutsche Krimis im Kommen

19.05.2014

Nürnberg Vom blutigen Thriller bis zur lustigen Geschichte über rüstige Rentner als Ermittler: Krimis in Deutschland bestechen vor allem durch ihre Vielfalt. Und auch wenn die Zahl der Regionalkrimis weiter wächst, sind sie beileibe nicht alles, was der deutsche Krimimarkt zu bieten hat. Immer neue Autoren erscheinen auf der Bildfläche, und die Leser bekommen nicht genug von Geschichten über Mord und Totschlag. Beim größten deutschsprachigen Krimi-Festival „Criminale“ können sich Fans von Mittwoch (21. Mai) an einen Überblick verschaffen: 280 Autoren werden in Franken erwartet, 220 lesen in Nürnberg, Fürth und 16 weiteren Städten.

Einer von ihnen ist Friedrich Ani. Der 55-Jährige mehrfache Krimipreisträger ist einer der bekanntesten Autoren in Deutschland. Er ist sicher: „Der Kriminalroman ist die Zukunft der deutschsprachigen Belletristik.“ Der Krimi blühe landauf, landab, weil er offensichtlich den Geschmack des großen Publikums treffe.

Verlage und Buchhandel profitieren davon. Sogenannte Spannungstitel - neben Krimis und Thrillern auch Horrorgeschichten - machen seit Jahren zwischen einem Viertel und einem Drittel des Belletristik-Umsatzes aus - im Jahr 2012 waren es nach Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels 26 Prozent. Auf den Markt kamen im gleichen Jahr 2700 gedruckte und 3300 digitale Titel. Mehr als 120 Verlage in Deutschland haben Krimis im Programm.

„Kriminalliteratur ist seit Jahren schon ein Dauerbrenner auf dem Buchmarkt. Es ist wirtschaftlich ein sehr stabiles Segment ohne große Ausschläge nach oben oder unten“, sagt Claudia Paul vom Börsenverein. Mit dem Genre würden die unterschiedlichsten Lesetypen und alle Altersstufen bedient - deshalb gebe es auch so viele Krimileser.

Die Bandbreite des deutschen Krimis ist tatsächlich groß: Sie geht vom Regionalkrimi mit viel Lokalkolorit über den hochpolitischen Thriller und den blutigen Schocker bis zur literarischen Gesellschaftsstudie. „Trends existieren nicht“, sagt Ani. „Und den deutschen Krimi rein auf den Regio-Krimi zu reduzieren, geht komplett an der Realität vorbei“, sagt die dtv-Lektorin Hannelore Hartmann.

Jedes Jahr erscheinen - je nach Zählweise - 200 bis 400 neue deutsche Kriminalromane und Thriller. Manuela Pelz, die seit 15 Jahren das Krimi-Forum im Internet betreibt, beobachtet, dass die Verlage hierzulande auch immer mehr deutsche Autoren gezielt fördern. Mit Wettbewerben, bei denen Buchverträge winken, und Akademien zögen sie sich mittlerweile „Eigengewächse“ - darunter so erfolgreiche Autoren wie Klaus Probst. Hartmann von dtv bestätigt: „Wir haben auch einige deutsche Krimi-Autoren ins nächste Programm genommen und haben da große Hoffnungen.“ Deutsche Autoren stünden den skandinavischen bei der Qualität in nichts nach, doch sie spielten mehr mit dem Genre.

Die Bücher von Autoren wie Sebastian Fitzek, Nele Neuhaus, Rita Falk, Claus-Peter Wolf oder Volker Klüpfel und Michael Kobr sind regelmäßig Bestseller. Doch warum sind Krimis eigentlich so beliebt? Der Autor und Betreiber des Krimilexikons, Reinhard Jahn, sagt: „Der Mensch erlebt gerne, wie Gut und Böse sich sortieren. Im Krimi geht es nicht ohne Mord. Es ist das nicht mehr rückgängig zu machende Verbrechen, das Menschen an ihre Grenzen bringt.“ Und am Ende der Geschichte werde stets die Gerechtigkeit wieder hergestellt.

„Das ist das Wesen des Krimis: Die Spannung, die extremen Gefühle, die man im normalen Leben nicht ausleben kann und will“, sagt Pelz. „Niemand will es in Wirklichkeit mit jemandem zu tun haben, der Körperteile eines Menschen in Tupperdosen versteckt und per Geocaching danach suchen lässt. Aber lesen davon will man schon.“

Beim Regionalkrimi kommt eine weitere Komponente dazu: „Hier kommt man dem Krimi so nah. Man geht morgens Brötchen holen und abends lag vor genau dieser Bäckerei noch eine Leiche“, sagt Hejo Emons, der seit 30 Jahren Regionalkrimis herausgibt. „Es ist den Leuten nahe und deshalb ist es ihnen wertvoll.“ Jede Region habe mittlerweile ihren Krimi. Er merke aber noch nicht, dass der Zenit des Regionalkrimis überschritten sei.

An Bedeutung zunehmen werden nach Ansicht von Manuela Pelz Psychothriller, tierische Ermittler und schnelle, actionreiche Krimis, weil das Fernsehen ein Interesse daran habe. „Immer mehr Drehbuchautoren stiegen zurzeit ins Krimi-Fach ein.“ Und vor allem Krimis würden wahrscheinlich bald als E-Book interessant. „Wenn einer in einen Krimi oder Thriller reinliest, will er sofort weiterlesen und nicht warten, bis er am nächsten Tag das Buch bekommt.“

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