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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Mehr ein Duell als ein Duett

25.04.2015

Oldenburg Zwei Personen. Ein Mann, dann eine Frau. Kein Bühnenbild, keine Requisiten, (fast) keine Musik. Nur zwei Körper in Bewegung. Und was die beiden Tänzer auf der nackten Bühne der Oldenburger Exerzierhalle vollführen, ist auch kein Pas de deux im herkömmlichen Sinne, sondern eine Art Duell, ein verbissenes Ringen.

Der in den Niederlanden ansässige Amerikaner Stephen Shropshire hat die Choreografie „My Everlasting“ zwei Tänzern der Compagnie Noord Nederlands Dans (NND) in Groningen, die er von 2009 bis ins Jahr 2012 selbst geleitet hat, auf den Leib geschrieben. Als „Everlasting Love“ – immerwährende Liebe – taucht das Wort in Popsongs auf, doch bei Shropshire geht es etwas anders zu.

Die Französin Aimee Lagrange und der Finne Jussi Nousiainen sind dieses Paar, bei dem man sich an Ingmar Bergmans „Szenen einer Ehe“ erinnert fühlt, überhaupt an zerstörerische Paarbeziehungen aus Literatur und Filmgeschichte. Geben, nehmen, abweisen, sich bekämpfen und versöhnen, festhalten wollen und loslassen müssen – die Choreografie lässt keine Facette aus. Auch wenn der Ansatz des Choreografen ein abstrakter ist, mit Erinnerung und Vergänglichkeit zu tun hat. Den Programmzettel sollte man sich für später aufheben oder gleich zerknüllen.

Zu Beginn stehen die beiden einander nur gegenüber, aber die Initiative geht von ihm aus: Sie muss sich erst einmal ihre Hose aus- und ein Kleid anziehen. Sie tanzt, er sitzt in einer Ecke.

Erst als sie wie eine kaputte Gliederpuppe zu Boden fällt, beginnt das grandiose, aber karge Duett, das sich im Laufe von 45 Minuten in seiner Intensität und Dramatik steigert.

In der Stille des Raumes ist nur das schwere Atmen der beiden Tänzer zu hören, das Keuchen und stumpfe Klatschen, wenn Körperteile heftig aufeinandertreffen. Bis zur letzten, klitzekleinen und erlösenden Geste am Schluss sitzt der Zuschauer gebannt auf seinem Stuhl.

„My Everlasting“ – in der Exerzierhalle mit stürmischem Applaus gefeiert – ist sicher die ungewöhnlichste Produktion der 12. Internationalen Tanztage. Die letzte Vorstellung findet an diesem Sonnabend in der Exerzierhalle statt (21 Uhr). Unbedingt hingehen. Es gibt noch Karten.


Infos unter:   www.staatstheater.de 
Regina Jerichow Stellv. Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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