Seefeld - „Wir sind für alle da“ – das haben sich die bundesweit verstreuten Bahnhofsmissionen auf ihre Fahnen geschrieben. Die Theatergruppe des Seefelder Mühlen-Vereins hat dieses Motto zum Thema ihrer neuen Inszenierung gemacht. Im Stück „Achtung am Bahngleis 14“ geht es um die sehr unterschiedlichen Menschen, die im Mikrokosmos Bahnhof aufeinandertreffen.

Im Mittelpunkt des Stückes steht die Bahnhofsmission in Oldenburg – sie könnte aber auch in Hamburg oder Hannover sein. Es sei ein besonderes Stück an einem besonderen Ort, meinte die stellvertretende Vorsitzende des Mühlenvereines, Cornelia Iber-Rebentisch, die die rund 120 Premieren-Gäste am Freitagabend in der Seefelder Kirche begrüßte.

Die Kirche als Aufführungsort war eine Notlösung, aber sie war keine schlechte Lösung für dieses eher ernst angelegte Theaterstück, in dem auch die Bibel zur Sprache kam. „Wir zeigen Menschen, die wir in der Bahnhofsmissionen gesehen und erlebt haben und die uns berührt haben“, machte Regisseurin Heike Scharf deutlich. Jeder habe seine eigene Geschichte.

Die dargestellten Personen sind zwar Produkte der Fantasie der 13 Darsteller, aber sie sind durchaus angelehnt an erlebte und damit reale Begebenheiten. Dazu arbeiteten die Akteure für eine gewisse Zeit in Bahnhofsmissionen oder beobachteten über mehrere Stunden Reisende und sonstige Menschen, die in irgendeiner Weise mit dem Bahnhof in Beziehung standen.

Jeder Darsteller brachte gleich mehrere Rollen auf die Bühne und wechselte vom Bahnhofsmissionhelfer in die Rolle eines Obdachlosen, Verwirrten, Gestrandeten, Durchreisenden oder sonstigen Hilfebedürftigen. Auch Szenen an einem Kiosk wurden umgesetzt oder solche, die sich außerhalb der Bahnhofsmission zutrugen.

Ob Mützen-Jenny, Biker Kuddle, der Alkoholiker mit Trenchcoat, Prostituierte, Oma Amanda, Falschfahrer, Verlassene, Ex-Knackis oder Taxifahrer Werner – sie alle standen irgendwann in der Bahnhofsmission und wurden dort respektvoll und ihren Bedürfnissen entsprechend behandelt und versorgt. Mit einem freundlichen „Kann ich irgendwie helfen?“ werden alle gleich behandelt und erfahren Zuwendung und Hilfe, wenn sie gewünscht ist.

Die Zuschauer bekamen einen guten Eindruck vom Alltag in einer Bahnhofsmission, von den Sorgen und Nöten der Menschen, von der psychischen und emotionaler Herausforderung der ehrenamtlich arbeitenden Helfer. Es ist ein eher bedrückendes Stück, das durchaus seine komischen Momente hatte, bei aller Ernsthaftigkeit, mit der die Darsteller das Thema angingen. Und es zeigt auch die gesamte gesellschaftliche Bandbreite, die auf einem Bahnhof zusammentrifft.

Die mit viel Beifall bedachten Darsteller sind Klaus Janssen, Anke Kloppenburg, Anja Thümler, Irmgard Rüthemann (Maske), Anneliese Kling, Dittmar Sprekelmann, Meike Peschke, Heike Barre, Karin Rebmann, Conny Jürgens, Anne Grabhorn, Rosi Barre und Wolfgang Szyslo.