Oldenburg - In den Wiener Gassen sang und pfiff man es um 1800 wohl unablässig und auch heute kann man sich seinem Ohrwurm kaum entziehen. Noch in der Pause summt es beim 5. Meisterkonzert des Oldenburger Kunstvereins durch die Luft: das Thema aus Joseph Weigls populärer Oper „L’amor marinaro“.
Dass Beethoven diese Idee Weigls – und damit Unterhaltungsmusik – aufgriff und zum Finalthema in seinem sogenannten „Gassenhauer-Trio“ machte, war nicht selbstverständlich. Ein Klarinettist hatte ihn ausdrücklich gebeten, Variationen hierüber zu schreiben.
Ungezwungen fröhlich
Heute verbindet man die Musik wohl nicht mehr mit Weigls Oper. Stattdessen ist man beeindruckt von der ungezwungenen Fröhlichkeit, der augenzwinkernden Art von Beethovens Klarinettentrio B-Dur op. 11. Paul Meyer (Klarinette), Julian Steckel (Violoncello) und Eric Le Sage (Klavier) erweisen sich hiermit schon zu Beginn des Konzerts im Alten Landtag als drei hervorragende, gleich starke Konzertpartner.
Man spürt fast die hochgekrempelten Ärmel, mit denen sie die lebendige Frische der Musik anpacken und mit spielerischer Raffinesse im Finalsatz nicht zuletzt auch das Jazzpotenzial der Musik andeuten.
In Faurés Trio d-Moll op. 120, ursprünglich als Klarinettentrio konzipiert, dann aber vom Komponisten zum klassischen Klaviertrio verwandelt, verschmelzen die Instrumente klanglich. Empfindsam und sensibel stellen Meyer, Steckel und Le Sage den intimeren Charakter der Komposition heraus. Nicht weniger Sensibilität beweisen die drei Musiker in Brahms’ Klarinettentrio a-Moll op. 114. Nuancenreich loten sie die verschiedenen Stimmungen des Werks aus.
Klarinettentrio
Mit einem Klarinettentrio aus dem Jahr 1973 von Nino Rota beschließt das Trio den Konzertabend. Der italienische Komponist ist weniger für Kammermusik bekannt. Als Filmkomponist dürfte es ihm jedoch ebenso wie Weigl und Beethoven gelungen sein, kaum abzuwendende Ohrwürmer zu komponieren: seine Musik zu Coppolas „Der Pate“ etwa ist den meisten bekannt.
Das Klarinettentrio bietet beim ersten Zuhören kaum Ohrwürmer, beeindruckt aber allein schon durch die Ideen- und Klangvielfalt. Das Konzert des Kunstvereins im Alten Landtag endet hiermit charakterlich genauso wie es begonnen hat: mit übersprudelnder musikalischer Lebendigkeit.
