Elsfleth - Was für ein Lichtblick an diesem mausgrauen Aprilsonntag: Für ein „Frühlingserwachen“, das sich beim verkaufsoffenen Sonntag in der Innenstadt nicht so recht einstellen wollte (die NWZ  berichtete), sorgte in der St.-Nicolai-Kirche die Akkordeonistin Bettina Born.

Die Musikerin lud unter dem Titel „Tango & Musette“ zu einer beschwingten Reise von Paris bis nach Buenos Aires ein.

Fast alle Stücke, mit denen die Thüringerin ihr Publikum begeisterte, sind von ihr komponiert, aber ein Konzert ohne einen tangobeschwingen Piazolla- oder Rodriguez-Titel, das ging gar nicht. „Tango ist nicht gleich Tango“, verriet die Künstlerin dem Publikum. Denn: Der europäisch-steife „Tanzstunden-Rhythmus“ sei weit entfernt vom erotischen Flair des argentinischen Tangos. Bettina Born: „Mir hat es Spaß gemacht, beide Stilrichtungen frei nach Thüringer Art in einem Stück zu verwurschteln.“ Das ist ihr mit einem Augenzwinkern auch toll gelungen.

In den meisten ihrer Tangos und Musette-Walzern vertonte die Künstlerin die Inspirationen des Momentes, wie die „Luna Llenna“, die Vollmondnacht, die den Schlaf raubt, und die Melancholie einer verschmähten Liebe darstellt: „Porque?“ (Warum?). Oder das Sinnieren über fragwürdige Beziehungen in einer Kneipe bei einem Glas „Beaujolais Primeur“: Ihrer Interpretation nach zu urteilen, müssen es mehrere Gläser gewesen sein, das weinselige „Hicksen“ des Akkordeons klang ausgesprochen charmant.

Liebe oder nicht, irgendwann geht das Leben weiter. Und auch diese bemerkenswerte musikalische Stunde hatte leider ein Ende. Als letztes Programmstück spielte Bettina Born den ultimativen Klassiker des argentinischen Tangos, „La Cumparsita“ von Gerardo Rodriguez.

Das kann nicht alles gewesen sein, befand das Publikum, und erklatschte sich bei der sympathischen Künstlerin mit lange anhaltendem Beifall drei Zugaben, in denen auch klar wurde, wie „Musette“ im Osten am anderen Ufer der Spree klingt. Es klang so gut, dass auch ganz normale Konzertbesucher zu Tango-Fans mutierten.