Ohmstede - Wie zu erwarten, war der Andrang zur Hubertusmesse in der Ohmsteder Kirche, zu der die Jägerschaft Oldenburg und die evangelisch-lutherische Kirche Ohmstede eingeladen hatte, sehr groß. Freiwillige Helferinnen und Helfer des Hegerings Oldenburg Nord hatten den gesamten Kirchenraum liebevoll und mit viel „herbstlichem“ Engagement geschmückt.

Man schritt quasi über ein großes Laubbeet zu seinem Platz – ein Spaziergang durch den nachsommerlichen Wald. Der Altarraum stellte sich als mittleren Herbstwald da. Und mittenmang die Parforcehorngruppe Delmenhorst, deren Mitglieder von der Jagdhornbläsergruppe Oldenburg-Nord würdig von der Empore aus beim Einzug begrüßt wurden. Gänsehautstimmung. Der Psalm 104 gab dann auch den passenden Text dazu. Von „prächtig geschmückt“ ist hier die Rede. Vom „Himmel, der wie ein Teppich ausgebreitet wird“ und vom „Erdreich, das auf festem Boden gegründet wurde“.

Pfarrerin Ines Heinke hatte mit Freunden diskutiert, dass ja die evangelische Kirche die Heiligenverehrung seit nunmehr 500 Jahren ablehnt. Die Reformatoren auch unter Luther wollten das so. „Aber wir huldigen heute nicht dem Heiligen Hubertus, sondern wir wollen uns in diesem Gottesdienst an sein Wirken erinnern“, so die Pastorin. Heinke erinnerte daran, dass die Reformatoren zwar die Heiligen als „Vermittler zu Gott“ abgelehnt hätten, weil jeder Mensch seinen eigenen Zugang zu Gott finden sollte, „aber an ihre Verdienste dürfen wir uns sehr wohl erinnern“, so die Geistliche. Der „selbstverliebte“ Pfalzgraf Hubertus ging, nachdem er Witwer geworden war, als Einsiedler in die Wälder der Ardennen, wo er apostolisch tätig war. Die Legende sagt, dass er auf einer Jagd vom Anblick eines prächtigen Hirsches mit einem Kruzifix zwischen den Sprossen des Geweihs bekehrt wurde. „Er machte seinen Glauben zum Beruf“, sagte die Pfarrerin. Hubertus von Lüttich war Bischof von Maastricht und Lüttich und gilt heute als Schutzpatron der Jäger. Ines Heinke wollte aber nicht nur einen Erntedankgottesdienst zelebrieren, sondern ermahnte die Gemeinde, die klimatischen Verhältnisse und die Umweltbedingungen auf unserer Welt ernst zu nehmen: „Wir leben von dieser Welt, und jeder kann in seinem eigenen Umfeld handeln, damit wir auch weiterhin hier leben dürfen“. Sie möchte, „dass wir dort eingreifen und handeln, wo wir stehen“, so Heinke.

Der Gottesdienst wurde durch hervorragende Darbietungen der Parforcehorngruppe Delmenhorst untermalt. Sie umfassten unter anderem die Ordinariumsteile des Gottesdienstes wie Kyrie, Gloria oder Sanctus. Anstatt der üblichen Orgel begleitete die Parforcegruppe Delmenhorst melodisch auch einige Kirchenlieder. Applaus ist selten in einer Kirche zu hören, bei der Hubertusmesse wurde die Parforcehorngruppe sogar mit stehendem Applaus um Zugaben gebeten.

Hans Rieger übergab nach 35 Jahren die Leitung der Oldenburger Hubertusmesse an Ines Köhler aus Delmenhorst. Im Anschluss an den Gottesdienst gab es bei Fackelschein einen Umtrunk vor der Kirche.