Oldenburg - Das Sujet ist zeitlos, denn Natur geht ja immer in der Malerei – von der Antike bis zur Gegenwart spielt sich das Leben zumeist draußen ab. Und an klassischen Motiven mangelt es nicht gerade im Œuvre des Malers Michael Ramsauer. Seine Figuren tummeln sich im Wasser und am Waldrand.
Wer Frauen vor Flusslandschaften malt, der sollte im Lockdown besonders leiden, sollte man meinen. Doch der 51-jährige Oldenburger kennt seine Vorlagen aus dem Effeff; sie fließen bei ihm sozusagen aus Kopf und Hand auf die Leinwand. Nach dem Studium der Kunstgeschichte und der Klassischen Archäologie sowie der Malerei war dessen bedingungslose Hinwendung zu den Alten Meistern schon als junger Maler zwangsläufig. Seine mythologischen Gemälde haben nichts Zeitgeistiges, nichts Modisches.
Kreative Inventur
Gelitten habe er schon, gibt Ramsauer zu, „weil ich mir während der Zwangspause die Originale in den Museen nicht anschauen konnte“. Ansonsten hat er, wie viele seiner Zunft, die freie Zeit für eine kreative Inventur genutzt. In der aktuellen Ausstellung im Oldenburger Herbartgang zeigt Galerist Ralf Lake gerade frische Ware, die Ramsauer zumeist in den vergangenen Monaten gefertigt hat.
Die malerische Vorliebe des erfolgreichen Künstlers ist in der Szene weithin bekannt. Körper, meist weiblich, oft ungezügelt, sind seine Ding. Die Dynamik entsteht im Auge des Betrachters, alles ist im Fluss – oder „bella figura“ davor platziert.
Dank des intensiven Studiums der Meisterwerke verfügt der Maler heute über ein umfangreiches künstlerisches Vokabular. Er ist bestens vertraut mit „seinen“ Helden und Göttern der Antike. In seiner eigenen Formen- und Bildsprache steht er den Vorbildern kaum nach. Die Gegenüberstellung der Alten und des jungen Meisters löst die Jahrhunderte mühelos auf, das hatte er schon mit seinem Beitrag zur viel beachteten Ausstellung „Götter und Helden. feat. Michael Ramsauer“ zum Jahreswechsel 2019/2020 im Augusteum bewiesen.
Groß und Großformatig
In seinem Kreativzentrum, der kleinen Atelierwohnung in der Oldenburger Innenstadt sieht es zwar aus wie bei Hempels unterm Sofa, doch aus dieser vermeintlich heillosen Unordnung heraus lässt Ramsauer immer wieder fertige und unfertige Werke, kleine, große und großformatige Bilder entstehen.
Längst ist Ramsauer in Berlin präsent, wo er sich inspirieren lässt von Macht und Pracht im Hauptstadt-Chaos, wie immer man das für sich definieren mag. Dort ist er in seinem Zweit-Atelier aktiv und in der Galerie Tammen und Partner sichtbar. Schon 2009 hinterließ er im Atelier „artin-residence“ des Auswärtigen Amtes seinen Strich.
Die Oldenburger Schau zeigt Bilder, die Michael Ramsauer während der Pandemie erstellte. Sie spiegeln Ruhe und Einkehr, und bauen doch gleichzeitig eine enorme Spannung auf, um den Betrachter mitzunehmen. Am besten ans Wasser in die Natur, denn dieser Ort ist in diesen Zeit nicht der schlechteste.
