Cloppenburg - Mit seinen Nachforschungen zur Entstehung und zur Geschichte des Maurerhandwerks im Oldenburger Münsterland hat der Cloppenburger Bauunternehmer Ludwig Middendorf „eine Forschungslücke geschlossen“. Das sagte der Leiter der bauhistorischen Abteilung des Museumsdorfs, Dr. Michael Schimek, am Montag bei der Präsentation von Middendorfs Buch „Wo kamen denn die Maurer her?“ im Cloppenburger Haus des Handwerks.
In der Zeit vor 1850 sei das Maurerhandwerk als eigenständiges Handwerk – so Middendorf – kaum nachweisbar. Anders als in den städtischen Großräumen seien in unserer Region vor 200 Jahren massive Gebäude aus Stein die absolute Ausnahme gewesen. Die Bautraditionen waren gegründet auf Holz – den Rohstoff, der im armen Südoldenburg vor der Haustür wuchs.
Erst nach und nach änderte sich das: Durch die Erfindung des Kunstdüngers kam die agrarisch geprägte Region zu Wohlstand, immer mehr Bauern konnten sich nun Steine leisten. Außerdem ging der zunehmende Mangel an Holz mit den verbesserten Möglichkeiten einher, Ziegel vor Ort zu brennen.
Und die Maurer? Diese – so Middendorf – seien zunächst einmal aus dem „Ausland“ – also aus den Regionen jenseits der Grenzen des Oldenburger Münsterlands gekommen. Darüber hinaus habe sich so mancher hiesige Heuermann im Nebenjob zu „son Stück von Maurer“ entwickelt – wie Middendorf einen Auszug aus dem Dinklager Trauregister von 1824 zitierte.
Allmählich bildeten sich Spezialfirmen heraus. Middendorf, der sich 2007 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat, nennt hier besonders das „Ur-Unternehmen“ seines eigenen Stammbaums (1868 von Ludovikus Middendorf in Dinklage gegründet) und Wüstefeld, das Servatius Wüstefeld 1874 in Cloppenburg schuf.
Middendorfs 128-seitigem Werk merkt man an, dass es von einem Mann der Praxis geschrieben wurde. Es ist keine trockene wissenschaftliche Abhandlung, Middendorfs persönliche Erfahrungen und Anekdoten seines Cloppenburger Mitbewerbers Carl-Otto Wüstefeld aus 50 Jahren am Bau sorgen für manchen bunten Farbtupfer. „Wenn mir jemand am 1. April 1952, als ich meine Maurerlehrer begann, gesagt hätte, dass ich mal ein Buch schreiben würde, hätte ich ihn für verrückt erklärt.“
Der Vorsitzende des Heimatbundes Oldenburger Münsterland, Hans-Georg Knappik, würdigte Middendorfs Arbeit als eine „wertvolle Bereicherung der heimatkundlichen Literatur“.
„Eine schöne Überraschung, mit diesem Buch hat keiner gerechnet“, erklärte der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Vechta, Dieter Mertens. Und dessen Cloppenburger Kollege, Dr. Michael Hoffschroer, feierte sogar eine Premiere: „Ich bin jetzt jetzt viereinhalb Jahren hier, eine Buchvorstellung habe ich noch nicht übernommen.“
