Innenstadt - Das Näschen schiebt sich langsam zum Mikrofon, der sauber aufgeschriebene Aufsatz liegt bereit und die Moderatorin gibt letzte Tipps. „Klar und deutlich lesen und nicht zu schnell“, denkt sich Lennard Kull (12) noch, bevor es losgeht. Ist der erste Satz erst einmal gefallen, verfliegt jede Aufregung und es läuft wie von ganz allein. „Einer musste ja den Anfang machen“, sagt er später.
In fünf Stunden, an zwei Tagen, schrieben die Kinder einen Aufsatz, verbesserten die Texte und übten das Lesen – auch zu Hause vor Mama. An diesem Morgen durften sie ihre Arbeit dann endlich präsentieren; im Studio des Lokalsenders Oldenburg Eins gestalteten die Kinder eine eigene Radiosendung. Die Aktion „Kinder machen Radio“ bot der Ferienpass an. Dafür verfassten die Teilnehmer eine Kurzgeschichte zu dem Thema „Über den Wolken – Geschichten vom Fliegen“ in der Schreibwerkstatt, und durften ein Lieblingslied mitbringen; denn gute Musik gehört bekanntlich zum Radiomachen dazu.
„Es gab zwar auch Einstiegshilfen, aber die Kinder hatten alle ihre eigenen Ideen und Einfälle“, berichtete Katharina Schaaf (26) über die Betreuung bei der Schreibwerkstatt. Das lag wohl daran, dass hinter den Schülern bereits kleine Autoren und andere Talente steckten.
Veronika Gockel (12) schreibt zum Beispiel gerade mit ihren Freundinnen an einem Krimi. Ihre Geschichte für das Radio handelte von Engeln und Elfen: Ein frecher Engel treibt so seine Spielchen mit den anderen, und trägt deshalb keinen Heiligenschein. Eines Tages bricht er plötzlich zusammen, denn ein Engel kann sterben, wenn er böse wird. Auch Greta Gesang (12) ist in ihrer Freizeit kreativ und zeichnet am liebsten Comics mit Mangas, asiatischen Comicfiguren. Daher hatte sie die Idee von einem Jungen, der eine Nahtoterfahrung erlebt hat; er bekommt Flügel und kann jetzt fliegen wohin er will – Ganz schön fantasiereich und aussagekräftig.
Eine eigene Sendung im Radio macht sich dann doch fast von allein, oder?
Das Vorlesen wäre recht einfach gewesen, fand Lasse Alberts (12). „So ein Interview kann da schon schwieriger sein“, sagte er, „man muss ziemlich schnell Antworten parat haben“. Die Lieblings-CD fehlte zwar in dem einen oder anderen Rucksack, aber auch diese Hürden wurden gemeistert; eine Kopie der fertigen Sendung bleibt als schöne Erinnerung. „Es hat einfach viel Spaß gemacht, hinter dem Mikrofon zu stehen“, sagte Lennard.
