Bremen - Opern und Operetten, die im Räubermilieu spielen, gibt es einige. Man denke an „Fra Diavolo“, „Gasparone“ oder „Banditenstreiche“. Aber keine hat den ironisch-satirischen Biss wie „Die Banditen“ von Jacques Offenbach. Das Werk wurde in Bremen zuletzt 1962 gespielt.

Die Handlung erzählt von dem gerade wenig erfolgreichen Räuberhauptmann Falsacappa. Als sich bei der Heirat einer spanischen Prinzessin, bei der auch drei Millionen übergeben werden sollen, die Gelegenheit auf reiche Beute bietet, beginnt ein turbulentes Verwirrspiel. Am Ende stellt sich zwar heraus, dass der Schatzmeister das Geld schon lange verprasst hat, aber dafür bekommt Falsacappa den Posten des Polizeichefs. Die Gauner in den höchsten Etagen – eine typische Offenbach-Wendung.

Leider hat Regisseur Herbert Fritsch die Chancen des Stückes nicht nutzen können. Er brachte eine klamottige Farce auf die Bühne, bei der es vor pubertären Späßchen nur so wimmelt. Die Sänger und Schauspieler müssen ständig alberne Grimassen schneiden und sich in zappeliger Körpersprache bewegen. Es ist eine Mischung aus Muppet Show und schlimmsten Comedian-Albträumen.

Das mag im Einzelfall witzig sein, aber bei einer Aufführungsdauer von drei Stunden ist es nur ermüdend. Und die ständigen Sex-Anspielungen sind eher nervig. Besonders Pietro (Bastian Reiber), der Vertraute Falsacappas, versucht alles zu „rammeln“. Zudem bleiben die Dialoge mit ihren pubertären Reizwörtern eher flach.

Dennoch soll man die großartige Leistung des Ensembles nicht verkennen. Alle haben sich mit vollem Einsatz in dieses Regiekonzept eingefügt und die anstrengende „tour de force“ perfekt umgesetzt. Sogar Dirigent Titus Engel, der mit den Bremer Philharmonikern die nicht immer glückliche Bearbeitung der Offenbach-Musik (von Tobias Schwencke) schwungvoll erklingen ließ, wurde aus dem Graben gezerrt und „Opfer“ der Räuber. Aber Humor ist eben auch Geschmackssache.

Dabei war der Beginn durchaus gelungen. Bevor es richtig losgeht, gibt es eine Explosion, und man sieht einen Krater im Bühnenboden, aus dem die Räuber herausschauen. Das hatte Witz, ebenso die Chorszenen oder der Auftritt der spanischen Prinzessin.

Unter den vielen Solisten ragte Steffi Lehmann als Tochter des Räuberhauptmanns mit klarem Sopran und quirligem Spiel heraus, ebenso Nadine Lehner in der Hosenrolle des Fragoletto. Hubert Wild (Bariton und Countertenor) sang den Falsacappa überwiegend im Falsett.