Bad Zwischenahn - Cocktails und Mode – die Ammerländer Traditionsgastronomie „Spieker“ verwandelte sich Donnerstagabend in eine Bar und einen „Catwalk“ zugleich: Cocktailmeister Jens Oeltjendiers-Odion und seine Frau Isabelle mixten und servierten raffinierte Cocktails. Vier Models und ein Dressman aus dem Modehaus Kahlen zeigten den rund 50 Gästen hautnah, was die Damen- und Herrenwelt zu solchen Anlässen trägt. Vor allem aber gab Sabine Krüger Lesesequenzen zum Thema „Trinkkultur“ im weitesten und „Cocktail-Kultur“ im engeren Sinne dazu.
„Super-Model“ liest
Und diese Mischung machte die Veranstaltung zu einem grandiosen Abend. Krüger, die Vollblut-Mimin des „Speelköppel“ im Heimatverein, entwickelte begeisternde Fähigkeiten als Rezitatorin, Entertainerin, Moderatorin und – ja man muss es zugeben – als „Super-Model“, an dem Karl Lagerfeld Gefallen gefunden hätte. „Für die reifere Generation muss ja auch was dabei sein“, gab die 49-Jährige zu bedenken. Sie führte souverän durch das Programm.
Für die Lesung hatte sie intensiv recherchiert. Bei Ernest Hemingway etwa: „Ein intelligenter Mann ist manchmal gezwungen, sich zu betrinken, um Zeit mit Narren zu verbringen“. Bei Charles Bukowskis „Ochsentour“ und bei Henry Miller. „Alles trinkfeste Schriftsteller“, stellte sie fest. Ob plattdeutsch (es geht auch um „supen“ und „duhn“ sein) oder auf Hochdeutsch, Krüger tat es immer sympathisch mit Witz und Ironie. Das Publikum bedankte sich mit aufmerksamem Zuhören und anhaltendem Applaus.
Man hatte das Gefühl, die Zuhörerschaft fühlte sich wohl – nicht erst nach dem zweiten der fünf Cocktails-Gänge. Spieker-Wirt Benjamin Doyen-Waldecker hatte als „Stärkung zwischendurch“ Teller mit spiekergerechtem „Cocktail-Food“ vorbereitet.
Bauschmerzen vergehen
Jens Oeltjendiers-Odion erklärte den Gästen die unterschiedlichen Meinungen über Herkunft und Zusammensetzung eines Cocktails. Schnell war klar: Ein Cocktail ist ein Mischgetränk mit oder ohne Alkohol und grenzt sich zum Longdrink ab. Er war nicht nur gefordert, im Laufe des Abends 250 Cocktails zu mixen, sondern dies auch noch in der Enge des Spiekers zu leisten. Mit Bravour und Eleganz jonglierte er mit Mixer, Flaschen, Gläsern, Eis und diversen Zutaten.
Doyen-Waldecker räumte im Gespräch ein, bei der Idee, im Spieker mit Cocktails zu hantieren, „Bauschschmerzen bekommen“ zu haben. „Aber als innerhalb von 24 Stunden alle Karten fast verkauft waren, ging es mir besser.“
Man kann sich nicht vorstellen, dass in absehbarer Zeit, eine Vitrine mit Cocktailkleidern im Spieker steht. Vorstellbar ist aber, dass in der Getränkekarte neben Schluck aus dem Zinnlöffel auch ein „Zwischenahn-Caipi“ steht und es dazu heißt: „Ick seh di, dat freit mi…….!“
