• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Mit dem Kibum-Preis alle Sorgen los

16.06.2015

Landshut /Oldenburg Die Sache mit dem Jeansladen war am Ende ein Reinfall. „Den hatte man mir gekündigt“, erinnert sich Mirjam Pressler, die an diesem Donnerstag 75 wird. Was sie mit ihrem Halbtagsjob im Büro verdiente, reichte gerade für die Miete.

Amos Oz und Lizzie Doron übersetzt

Für ihr Erstlingswerk „Bitterschokolade“ erhielt Mirjam Pressler 1980 den Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis. Das Buch erschien im Beltz-Verlag (Weinheim), dem sie bis heute treu geblieben ist.

An der Uni Oldenburg übernahm sie im Wintersemester 2005/06 die Poetik-Professur für Kinder- und Jugendliteratur.

Zu ihren jüngsten Übersetzungen gehören der Roman „Judas“ von Amos Oz und „Who the fuck is Kafka?“ von Lizzie Doron.

Kurzum: Sie brauchte dringend Geld. Der Taxischein war eine Möglichkeit, das Schreiben eine bessere. Aus reiner Existenznot verfasste sie ihr erstes Buch – und war mit einem Schlag alle Sorgen los.

Etwas Wunderbares

Für ihren Debütroman „Bitterschokolade“ über die Außenseiterin Eva, die ihren Kummer in sich hineinfrisst, erhielt die damals 40 Jahre alte Schriftstellerin 1980 den Oldenburger Kinder- und Jugendbuch-Preis. Mit 10 000 DM war der Kibum-Preis damals dotiert – genug für Mirjam Pressler, um weiterschreiben und bald auch auf den Halbtagsjob verzichten zu können.

Heute gehört sie zu den erfolgreichsten und bedeutendsten Jugendbuchautorinnen Deutschlands. Mehr als 50 Bücher hat sie geschrieben und ist zudem eine gefragte Übersetzerin. Ihre eigene Geschichte sieht sie im Rückblick als ein Beispiel dafür, wie sich aus Panik und Existenzängsten „etwas Wunderbares ergibt“.

Das Schreiben habe sie nie gelernt, erzählte die Schriftstellerin einmal, nur immer viel gelesen. Bücher waren für sie „überlebensnotwendig“, um einer Kindheit zu entfliehen, die von Armut, Hunger, Gewalt und Scham überschattet war und von der die sonst so freimütige Autorin nur ungern spricht. Mirjam Pressler, am 18. Juni 1940 in Darmstadt als uneheliches Kind einer Jüdin geboren, wuchs bei Pflegeeltern auf, die auch noch ihre vier Enkel aufzogen.

Kinder wie sie kamen in den Büchern damals nicht vor. Aber die 74-Jährige hat dafür gesorgt, dass sich das änderte. Nach dem Motto: Eine unglückliche Kindheit kann man sich nicht von der Seele schreiben, aber es gibt die Möglichkeit, sie auszubeuten. Ihre Romane handeln bevorzugt von jugendlichen Außenseitern, die in beengten, oftmals schwierigen Verhältnissen aufwachsen. Von ihnen erzählt die Schriftstellerin einfühlsam in knapper, schnörkelloser Sprache.

Eigentlich hatte Mirjam Pressler Malerin werden wollen. Nach sechs Semestern an der Akademie für Bildende Künste in Frankfurt/Main und verschiedenen Jobs in München arbeitete sie ein Jahr in einem Kibbuz in Israel. Aus der gescheiterten Ehe mit einem Israeli stammen drei Töchter. Nach der Trennung zog sie zurück nach München, wo sie von 1970 bis 1979 ihren Jeansladen betrieb.

400 Übersetzungen

Bis vor wenigen Jahren hat die Schriftstellerin in der dörflichen Abgeschiedenheit von Walkertshofen in Bayern gelebt, mittlerweile ist sie ins etwas urbanere Landshut gezogen. Eine Idee zu einem neuen Buch „wartet die ganze Zeit“ am Schreibtisch auf sie, doch die Schriftstellerin ist beschäftigt: mit Übersetzungen.

Mehr als 400 Titel hat sie bereits übersetzt, meist aus dem Hebräischen ins Deutsche, aber auch aus dem Niederländischen. Momentan hält sie das neue Buch der Schriftstellerin Zeruya Shalev von der eigenen Arbeit ab: Deren neuer Roman „Schmerz“ soll im Herbst auf Deutsch erscheinen.

Danach will sie endlich wieder loslegen. Anfangs nicht am Computer, sondern zunächst mit der Hand, „denn ich tippe zu schnell“. Die Geschwindigkeit „vom Kopf in die Hand“ dagegen passt. Wovon das neue Buch handelt, verrät die Schriftstellerin allerdings nicht. Aber dass es wieder um einen Außenseiter gehen wird, ist schon klar.

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2061
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.