Blexen - Angefangen hat Alfred Ferenz mit Akkordeon-Unterricht. Das war in der zweiten Klasse. Opa spielte Ziehharmonika und Mundharmonika. Alfred Ferenz besuchte die Grundschule in Phiesewarden. „Damals gab es Musiklehrer, die von einer Schule zur nächsten reisten.“ Bis zum ersten Auftritt dauerte es noch eine Zeit. Den hatte Alfred Ferenz bei einem Richtfest in der Nachbarschaft. 12 Jahre war er damals alt. Heute ist er 65. Und in der Zwischenzeit hat er wohl schon einige hundert Auftritte absolviert. Allerdings nicht mit dem Akkordeon.
Rockender Rektor
Musik spielt eine große Rolle im Leben von Alfred Ferenz, der bis vor knapp zwei Jahren noch die Grundschule in Friedrich-August-Hütte leitete, bevor er als „rockender Rektor“ in den Ruhestand verabschiedet wurde. Die Liebe zur Musik begleitet ihn bis heute. Noch immer ist Alfred Ferenz auf der Bühne zu sehen, wenn er bei der Gruppe EAL Vokal die Bass-Gitarre spielt.
Als Alfred Ferenz, der heute in Blexen wohnt, zum Gymnasium wechselte, stieg er von Akkordeon auf Klavier um. „Ein paar Jahre habe ich das gemacht, aber klassische Musik war dann doch nicht so mein Ding.“ Kein Wunder: Die 60er-Jahre waren geprägt vom Aufbegehren der Jugend. Und die Abgrenzung gegenüber den Eltern kam auch in der Musik zum Ausdruck. Alfred Ferenz erinnert sich noch genau, wie er mit einem Transistor-Radio am Fahrrad durch Nordenham fuhr. Meistens lief der Bremerhavener Soldatensender AFN. Die Musik aus Amerika hat die Jugendlichen fasziniert. Und wenn in Nordenham Jahrmarkt war, hielten sie sich stundenlang an der Raupenbahn auf. „Hier wurden die neuesten Hits gespielt. Hier gab’s die wummernden Bässe und den Beat-Rhythmus. Hier haben wir richtig lange Ohren gemacht.“
Die Single „Hold Tight“ von Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich gehörte zu den ersten Platten, die sich Alfred Ferenz in den wilden Jahren zulegte. „Musik war damals Abgrenzung zu den Erwachsenen. Sie war Teil einer Jugendbewegung, bei der jeder mitgemacht hat.“
Konflikte mit den Älteren waren programmiert. Alfred Ferenz erinnert sich, wie der damalige Direktor des Gymnasiums höchstpersönlich bei einem Konzert in der Schule den Stecker gezogen hat, weil ihm die Musik viel zu laut war. „Elektrische Instrumente waren bei den Älteren verpönt.“ Bei der Jugend war die elektrische Gitarre dagegen ein Symbol für einen neuen Lebensstil.
Bei den Floridas
1970 hat Alfred Ferenz sein Abitur gemacht. Während seines anschließenden Lehramtsstudiums in Oldenburg verdiente sich der Nordenhamer sein Taschengeld bei den Floridas, die als Hausband in der Gaststätte Gallasch in Blexen unter Vertrag stand. Dort spielte er Orgel und begleitete Künstler wie Howard Carpendale und Barry Ryan. 1973 gründete er mit Helmut Reins und Harald Otto die Lehrerband – und stieg auf Bass um. „Wir haben gespielt, worauf wir Bock hatten“, erzählt Alfred Ferenz.
Besonders inspirierend waren für den Multi-Instrumentalisten natürlich die Beatles. „Das Album ,Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band’ habe ich Tag und Nacht gehört.“ Das Gleiche gilt für die Musik von The Who und Black Sabbath. Aber auch die Scheiben von deutschen Liedermachern wie Insterburg & Co. und Schobert & Black drehten sich auf dem Plattenteller.
„Ich höre die Beatles heute noch genauso gerne wie früher“, sagt Alfred Ferenz. Aber er kann auch vielen aktuellen Künstlern eine Menge abgewinnen. „Da gibt es viele gute Sachen“, sagt der 65-Jährige, „Cold Play zum Beispiel, Green Day, Bruno Mars, Katzenjammer und Adele.“ Alfred Ferenz schätzt Musik, die machbar ist, „ohne, dass man sich dafür ein halbes Tonstudio anschaffen muss.“ Der Ex-Lehrer und seine Kollegen von EAL Vokal lassen sich auch von aktueller Musik zu ihren Coverversionen inspirieren.
