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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Musik: Mit einer Stunde Verspätung ins Glück

18.07.2014

Oldenburg Zum Glück saß die Bühnenleitung noch auf einen Kaffee im Theater zusammen. Andernfalls hätten die Oldenburger Opernfreunde wohl nie Paul Brady kennengelernt. Zum Vorsingen 1997 kam der lyrische Bariton eine Stunde zu spät und wurde trotz heftiger Konkurrenz sofort engagiert.

Umso länger ist er dann geblieben, 17 Jahre mittlerweile. Nun ist der 43 Jahre alte Ire auch Kammersänger. Mit dem ideellen Titel wurde er am Mittwochabend nach der Vorstellung von „Eugen Onegin“ im Großen Haus überrascht. Intendant Markus Müller übergab Urkunde und Blumenstrauß. In Oldenburg führten vor Brady schon Fritz Vitu, Bernard Lyon und Marcia Parks diesen Ehrentitel.

Längst weiß man, was man an ihm hat: „Brady war der Anker der Inszenierung”, lautete vor zwei Jahren eine Bewertung seiner Darstellung der Titelfigur in Ulrich Kreppeins „Die Versuchung des Heiligen Antonius.“ Das charakterisiert treffend sein Wirken. „Auch ich habe eine Verantwortung für die Produktion”, sagt er. Intensiv hat er sich mit Komponist Kreppein ausgetauscht.

Intensiv können auch seine Anstöße bei der Entstehung einer Inszenierung sein. „Manchmal bringen Regisseure wundervolle Ideen mit”, lautet seine Erfahrung, „aber für die handwerkliche Umsetzung brauchen sie manchmal auch den Rat der Praktiker.“ Da lässt Brady seinen Charme spielen. Er ist ein Künstler mit einnehmender Ausstrahlung, aber mit einer bezwingenden Gründlichkeit. Die „Sinnlichkeit” der Kunst will er spüren, und er will die „Notwendigkeit” der Inszenierung erkennen: „Was sagt uns das?”

Natürlich hat der so kunstvoll ungekünstelte Brady als Lebenskünstler die Herzen erobert. Seit 2011 hat er über 60 Mal den Papageno in der „Zauberflöte” gesungen. Nicht einfach so: Er hat den Vogelfänger gelebt. „Im gewissen Maße spielt man die Figur, aber man muss sie auch innerlich sein”, sagt er. Als Eugen Onegin traut er sich auf einen Grat: „Man verliebt sich in Augenblicken wirklich in die Tatjana, und es wird schwer, die Trennung zu halten.“

Er hat eben nicht nur die volkstümlichen Rollen gestaltet. Es sind ebenso große Abende mit Alban Bergs „Wozzek” in Erinnerung. Von „wieder mehr Liedgesang” träumt er: „Schuberts Winterreise wäre wieder ein Ziel.“ Früher hat er seinem Enthusiasmus Tribut zollen müssen. „Zu jung habe ich mich ans schwere Fach gewagt”, resümiert er. Längst weiß Brady, was er an der Bühne hat. Er dankt es dem „besten aller Theater” mit ungeheurer Disziplin: „Nie habe ich eine Vorstellung abgesagt, nie verpasse ich eine Probe.“ Wie gut, dass 1997 im Theater länger Kaffee getrunken wurde.

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