Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Achtzigerjahre Mit großer Klappe und feinem Gespür

Jens Milde

Nordenham - Reinhard Lehmann trägt das Hemd immer noch offen. Die Brillengläser sind getönt. Und um einen lockeren Spruch ist der 58-Jährige nie verlegen. So wie früher, als er in den Nordenhamer Discotheken Platten auflegte. Die wenigsten kennen Reinhard Lehmann unter seinem bürgerlichen Namen. Die meisten nennen ihn DJ Dackel.

Seinen Spitznamen hat er einem Mitspieler beim TuS Einswarden zu verdanken, wo er in jungen Jahren Fußball spielte. „Damals gab es eine Vorabendserie im Fernsehen und in der Serie einen Dackel, der Lehmann hieß“, erinnert sich Reinhard Lehmann. Eine Fußball-Karriere hat er nie angestrebt. Aber als Discjockey hat es der Nordenhamer immerhin zu großer lokaler Prominenz gebracht in einer Zeit, als der DJ-Status nicht weit entfernt war von dem eines Popstars.

Den Grundstein seiner DJ-Karriere legte Dackel als Jungspund in der heimischen Garage. Ein altes Radio vom Sperrmüll diente als Verstärker. Gefeiert wurde zusammen mit den Kindern aus der Nachbarschaft. „Die Singles habe ich von meinem Taschengeld gekauft. Und ich war immer der DJ. Das hat mir einfach großen Spaß gemacht.“

Zuerst im Apollo

Eine große Klappe hatte Dackel schon immer. Er war gerade einmal 15, als er zu Roland Krippner, dem in Nordenham damals viele gastronomische Betriebe gehörten, sagte: „Das, was dein DJ da macht, kann ich besser.“ Der Spruch kam nicht besonders gut an. Aber als er es ein Jahr später noch einmal versuchte, durfte er ran an die Plattenspieler im Apollo, das damals noch an der Müllerstraße war. Aus dem Apollo wurde schließlich das Tiffany. Bis 1979 legte Dackel dort auf. Die meisten bringen ihn allerdings mit dem AC in Verbindung. Hier thronte Dackel von 1980 bis 1987 vor der Tanzfläche.

Reinhard Lehmann erinnert sich gerne an diese wilde Zeit zurück. „Wir hatten jeden Tag geöffnet. Da brannte die Luft.“ Reinhard Lehmann macht kein Geheimnis daraus, dass er seinen Status als Disjockey in vollen Zügen genossen hat. „Flirten gehörte einfach zum Geschäft dazu.“ Und als DJ hatte er bei den jungen Frauen nicht die allerschlechtesten Karten. Auch für Blödsinn war Dackel immer zu haben. Da ging’s dann nach getaner Arbeit noch mitten in den Nacht zum Baden ins Lehrschwimmbecken. Einmal machte sich Dackel mit Freunden und Bekannten auf nach Helgoland – ganz spontan. Eine tolle Zeit, resümiert Dackel. Die Achtziger waren schon ein ganz besonderes Jahrzehnt.

Trends gesetzt

Die DJs hatten damals auch deshalb ein besonderes Standing, weil sie eher als alle anderen die neueste Musik spielten und die Trends auf der Tanzfläche setzen. 100 Mark pro Woche – mit diesem Budget hat Dackel Platten gekauft – in erster Linie Singles und Maxis. Um an die neuesten Scheiben zu kommen, ist er manchmal bis nach Amsterdam gefahren.

„Die Tanzfläche muss immer voll sein.“ Nach dieser Devise hat Dackel Abend für Abend aufgelegt. „Mit einer falschen Scheibe kannst du das ganze Programm versauen.“ Ganz wichtig sei es, ein Gespür für die Stimmung im Saal zu haben, sagt Reinhard Lehmann. „Das hat nicht jeder. Und das unterscheidet einen Plattenaufleger von einem DJ.“

Zwei Plattenspieler und ein Kassettenrekorder – mit diesem Equipment musste Dackel auskommen. Er erinnert sich an die Anfänge der Neuen Deutschen Welle: Trio, Nena, Spider Murphy Gang. „Zuerste haben die Leute gestreikt, als sie das hörten. Später konnten sie nicht genug davon bekommen.“

Reinhard Lehmann lebt seit fünf Jahren in Alanya in der Türkei. Und auch dort kennen ihn die meisten Menschen nur unter seinem Spitznamen, der längst zu einem Markenzeichen geworden. Seine Brötchen verdient sich der 58-Jährige als Partyveranstalter. Mit seiner Musik und seinen lockeren Sprüchen kommt er immer noch gut an beim Publikum.

Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Auf dem früheren Real-Gelände in Norden soll ein Edeka-Markt entstehen. Dafür wird das frühere Real-Gebäude zum Teil abgerissen.

BEBAUUNGSPLAN IN ABSTIMMUNG Edeka-Neubau in Norden verzögert sich erneut um Monate

Aike Sebastian Ruhr
Norden
Völlig zerstört: Die Aufnahme aus dem Jahr 1986 zeigt die   St. Georgen Kirche, dahinter die Wallgärten (Kuhweide)- und die Wohnblöcke vom Friedenshof .

KIRCHE ST. GEORGEN VOR ABRISS GERETTET Oldenburg und das Wunder von Wismar

Thomas Husmann
Oldenburg
Stehen bereits in den Startlöchern, von links: Ronald Siebel (Horizontalbohrung), Felix Baierlein (Genehmigung), Tobias Biener (Projektkommunikation), Frank Schwering (Genehmigung) und Jan-Henrik Kupfernagel (Horizontalbohrung).

HORIZONTALBOHRUNGEN IN DORNUMERSIEL BEGINNEN Dieses Großprojekt spielt entscheidende Rolle für die Energiewende im Nordwesten

Larissa Siebolds
Dornumersiel
Ins DLV–EM-Team berufen: Talea Prepens

LEICHTATHLETIK DLV nominiert Talea Prepens doch noch für EM

Steffen Szepanski
Cloppenburg
Ziel des Neugeborenenhörscreenings mit angeschlossenem Tracking ist es, schwerhörige Kinder möglichst innerhalb der ersten sechs Lebensmonate zu behandeln – beispielsweise mit einem Cochlea-Implantat.

OLDENBURGER HÖRZENTRUM FORDERT LANDESWEITE UNTERSUCHUNGEN Trotz Anspruchs – 86 Prozent der Babys werden nicht auf Schwerhörigkeit getestet

Anja Biewald
Oldenburg