Oldenburg - Karneval in Oldenburg: Das ist von jeher ein komisches Fest – mal gewollt, mal unfreiwillig. Der überschaubare Umzug am 11.11. gehört ebenso dazu wie die traditionelle Nichtbeachtung durch den Oberbürgermeister. „Wir sind ein gallisches Dorf“, meint Frank Schnitger, Vizepräsident des Karnevalvereins Blau-Rot Oldenburg.
Immerhin: Seit Gerd Schwandner die Narren nicht mehr empfängt, zieht der Galaabend mehr prominente Gäste an. Das war am Sonnabend im Stadthotel Eversten ebenso Tradition wie der Auftritt von Tanzmariechen Merle, die gefühlt zum 86. Mal Niedersachsenmeisterin in ihrer Kunst ist (diesmal im Paartanz mit Tim). 200 Gäste feierten, darunter eine Männerballettgruppe aus Bayern.
Wenig kreativ
Die Kreativität bei der Kostümwahl der Ehrengäste ließ allerdings zu wünschen übrig. Der SPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Krogmann kam als OB-Kandidat, SPD-Ratsherr Christoph Sahm als Büttenredner (mit Narrenkappe), Linken-Ratsherr Jonas-Christopher Höpken als Blau-Rot-Mitglied (ohne Narrenkappe). Dazu gesellten sich unter anderem Thomas Kossendey als Präsident der Oldenburgischen Landschaft, Helmut Fokkena als Oldenburg-Ikone Fokki und Grünen-Ratsherr Sebastian Beer, verkleidet als Sebastian Beer.
Mit Spannung erwartet wurde das Grußwort des Kandidaten Krogmann, der bei den Narren um erste Stimmen für die OB-Wahl warb. Mangels konkreter Gegner musste er sich am Amtsinhaber abarbeiten – in Reim-dich-oder-ich-fress-dich-Form. „Drum hat er jetzt in Sack gehau’n und will demnächst aus Oldenburg abhau’n“, dichtete Krogmann, dass es Poeten glatt die Sprache verschlug.
Bei der entscheidenden Information verzichtete er zum Wohle aller auf die Reimform. Eine Einladung für den 11.11.2014 wolle er zwar noch nicht aussprechen. „Aber wir können uns ja am Rathaus treffen. Wenn ich den Schlüssel habe, dann kriegen Sie ihn auch“, versprach Krogmann.
Musik und Tanz
Mit leicht besserem Rhythmusgefühl reimte Sahm bei seiner Büttenrede, in der er neben Krogmann-Werbung Aktuelles einbaute, zum Beispiel die Weihnachtsmützen-Diskussion zum Lambertimarkt. „Die geschätzte deutsche Bürokratie/will ein hohes Niveau – ohne Batterie.“
Bei Musik- und Tanzaufführung wurde gefeiert. Auch wenn sich keiner als Asterix und Obelix verkleidete: Die Blau-Roten ziehen ihr Ding durch wie die Gallier. Selbst reimende Politiker schüren bei ihnen keine Zweifel.
