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Konzert Mit Inbrunst und ganz nah am Publikum

Klaus Turmann

Nordenham - Noch immer ist die Musik der vier irischen Musiker sehr beliebt. Außerdem hatte es sich wohl herumgesprochen, dass sich hinter dem Pseudonym des Drummers Marry Lullen segundo niemand anderes als der ehemalige Nordenhamer Kai Schewe verbirgt, der einst bei Golden Erection trommelte. Und Eingeweihte wussten, dass es weitere Nordenhamer Verstärkung geben würde: Marvin Schulz, Gitarrist und Sänger von Golden Erection, spielte den Part von B.B. King aus einem Live-Auftritt mit „When Love Comes To Town“.

So verwunderte es kaum, dass sich trotz der Konkurrenz durch Rock in the Factory gut 360 Musikfreunde in die Jahnhalle begaben, wo ihre Erwartungen in keiner Weise enttäuscht wurden.

Nordenhamer trommelt

Wie beim Original startete das Konzert von Achtung Baby mit einer Multimedia-Show, die Musik- und Filmschnipsel von U2-Konzerten zeigte, bis Kai Schewe mit den ersten Drum-Schlägen seinen Einstieg hatte. Sofort begleitete ihn der coole und souveräne Bassist Mad M Clinton (Andreas Hellwig). An der E-Gitarre stieg The Fake (Carsten Stiehr). Und dann übernahm Mono (Olaf Senkbeil) als Frontman die Regie – wie sein alter ego Bono (Paul David Hewson) natürlich mit auffälliger Sonnenbrille.

Was nun folgte, war ein wilder Ritt durch die Zeit mit Werken aus allen Schaffensperioden der irischen Band, fast immer begleitet von passenden Bildern, Wörtern und Filmsequenzen.

Von Alternative-Klängen wie in „Zoostation“ ging es über politische Songs, etwa „One“ für eine Dritte-Welt-Kampagne, Cover-Versionen aus großen Live-Konzerten zu rockigen Titeln der Anfangsjahre. Dabei steigerte die Band geschickt Tempo, Dynamik und Druck und hatte die Jahnhalle spätestens bei „Sunday, Bloody Sunday“ auf dem Siedepunkt. Bei Hits wie „I Still Haven’t Found ...“, „Pride“ oder dem abschließenden „With Or Without You“ gab es massenhaftes Gänsehaut-Feeling pur.

Das war lustvolle Schwerstarbeit für Drummer Kai Schewe, dem keine Auszeit gegeben wurde. Denn bei U2 ist die Rhythmussektion dauerhaft im Dienst.

Auch The Fake hatte viel zu tun, aber sichtlich keine Mühe, den eigenwilligen Stil von The Edge zu repräsentieren, der sich ebenso keine Pause nimmt und lediglich zwischen tollen Soli und komplexer Begleitmusik hin- und herpendelt und häufig im Background singt.

Herz und Zentrum aber ist bei Achtung Baby, ebenso wie bei U2, der Frontman. Olaf Senkbeil erwies sich als absoluter Glücksfall. Geschickt und charmant moderierend, agierte er ebenso lebendig und expressiv wie man gelegentlich sein Vorbild im filmischen Hintergrund sehen konnte. Seine gute und weite Bereiche abdeckende Stimme ist kräftig genug, den Dreieinhalbstunden-Marathon mit hoher Intensität verschleißfrei zu bewältigen.

Vom Bariton bis zur Kopfstimme beherrscht er sein Metier perfekt. Mühelos zitiert er stimmlich auch andere Größen des Music-Business von Jimmy Hendrix bis Elvis Presley. Auf der Bühne bewegt Mono sich ständig und singt mit Inbrunst, verliert dabei aber nie den Kontakt zu Mit-Musikern und Publikum, das er immer wieder zum Singen und Klatschen animieren kann.

Langer Zugabenblock

So war in der Jahnhalle ein perfekter Abend möglich, der ausgerechnet durch einen technischen Defekt noch gesteigert wurde. Im letzten Drittel des Konzerts, nach der Bürgerkriegshymne „Bloody Sunday“, ließ ein Stromausfall das Drumset verstummen.

Die Akteure von Achtung Baby machten aus der Not eine Tugend und verlegten sich auf Gesang zu handgetrommelter Naturmusik. So zeigten sie, welch gute Musiker sie sind. Ihrer Spielfreude tat das „Unglück“ keinen Abbruch.

Nach der Wiederherstellung der Technik gab es einen langen Zugabenblock, für den sich das restlos begeisterte Publikum mit viel Applaus bei der Band aus Lüneburg bedankte.

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