Nordenham - Constanze Friend und Thomas Fellow stammen aus Weimar. Sie hat modernen Gesang, er Gitarre studiert. Wenn sie nicht gemeinsam touren und musizieren, lehrt er an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden das Fach Gitarre. Mit dem Konzert in der Nordenhamer Jahnhalle schlossen sie ihre Tour für 2013 ab. Man spürte ein wenig, dass das Duo in Feierlaune war. Nicht zum ersten Mal spielten Friend’n’Fellow in dem Kulturhaus. In gut gefüllten Sitzreihen genossen etwa 100 Zuhörer dieses besondere Konzert.
Charmant und witzig
Charmante, witzige Moderationen waren ein Indiz für die gute und lockere Stimmung. Das andere: Trotz der Intensität der Musik spielten beziehungsweise sangen Friend ‘n’ Fellow gute zweieinhalb Stunden lang – sehr zur Freude des Publikums.
Das wiederum war in ebenso guter Verfassung wie die Künstler. Aufmerksam genoss es die anspruchsvolle Musik. Letzte Gitarrentöne konnten ungestört ausklingen, bevor energischer und begeisterter Applaus als Künstlerlohn erklang. Zum Lohn gab es ein Mitsingfinale als Zugabe und je ein Constanze- und Thomas-Handtuch für zwei Fans.
Unter den 18 Titeln, die an diesem Abend erklangen, fanden sich 6 Klassiker unterschiedlicher Genres – „My Baby Don’t Care For Me“, „Sunny“, „Still Haven’t Found What I’m Looking For“, „Summertime“ und „One More Day“ – umrahmt von Eigenkompositionen des Duos. Wie diese zustande kommen und sich entwickeln, erklärte Thomas Fellow, der auch darauf hinwies, dass die CD zur Tour dieses Mal hinterher produziert wird, wenn die neuen Lieder durch hundertfaches Spielen gereift sind.
Über mangelnde Reife konnte allerdings niemand klagen. Euphorische Zuschauerkommentare am Tresen während der Pause, höchstes Lob für den Gitarristen und die Stimme der Sängerin zeigten das an.
Allen Songs gemein ist die Musizierlust beider Protagonisten. Constanze Friend singt eigenwillig und variabel und nutzt ihre warmklingende und wohltönende Stimme als eigenes Instrument. Scat-Gesang, Rap, Beatbox, imitierte Instrumente ergänzen den Liedgesang. Ein Stück trug sie a capella vor und lieferte sich selbst die Rhythmusbegleitung. Mit Thomas Fellow geht sie während der Songs eine äußerst intensive Beziehung ein. Seine Gitarre umschmeichelt, verpackt, betont und balanciert ihre Stimme aus. Sie gibt sich dem Rhythmus, Tempo und der Tonalität des Instruments hin.
Das Instrument ist der letzte Baustein des Erfolgs. Eigentlich sind es zwei akustische Gitarren, die der Meister anschlägt, zupft, klopft und bearbeitet. Dabei spielt er Melodie, Bassbegleitung und Rhythmusbegleitung auf einmal. Die Sechssaitige wird zum Orchester. Mit je zwei Tonabnehmern ausgestattet, füllt sie den Konzertraum mit einem tollen Sound. Warme, wuchtige Bässe unterstützen die höheren Töne. Mit einer Solo-Improvisation um „September“ von Earth, Wind & Fire erfüllte er sich und seinen Zuschauern eine nostalgische Sehnsucht.
Doppelte Augenweide
Es ist eine doppelte Augenweide Friend‘n’Fellow zuzusehen. Constanze Friend lebt die Musik. Ihr ganzer Körper swingt sie, ihre Arme scheinen die Töne zu dirigieren und zu richten, der Ausdruck ihres Gesichts gibt dem Gesang eine weitere Dimension. Thomas Fellows Finger führen ihr unglaublich flottes und dabei so zielsicheres Eigenleben zur größten Freude all derer, die selbst gerne zur Gitarre greifen. 10 Prozent dieser Virtuosität wünschte sich ein Hobby-Gitarrist und korrigierte sich: 5 Prozent seien wohl schon recht viel.
