Rodenkirchen - „Was Ihr Gehirn denkt, drückt Ihr Körper aus.“ Diese Tatsache schilderte die Diplom-Psychologin Sylvia Will, die auf Einladung der Rodenkircher Landfrauen am Montagabend in Albrechts Hotel über die Körpersprache von Männern und Frauen referierte.
Gleichwohl sei heute die Körpersprache zur Fremdsprache geworden, obwohl dieser nonverbale Anteil in der Kommunikation immerhin 93 Prozent ausmache. Nur sieben Prozent bleiben demnach für den verbalen Anteil mit Sprache und Worten übrig. Man sage keinen einzigen Satz, ohne ihn körperlich zu unterstützen. Dabei sei das Lächeln eines Neugeborenen die am wenigsten verfälschte Mimik, sagte die Referentin, die Seminare im Evangelischen Bildungshaus Rastede gibt.
Zu den Big Five der Körpersprache zähle die Gestik, eine Art Außenfiliale des Gehirns, aber auch Mimik, Körperhaltung und Gang, die Tonhöhe und Nähe und Distanz. Es gebe bis heute kulturelle und geschlechtsspezifische Unterschiede, und je weiter man nach Norden komme, desto größer sei die individuelle Distanz zum Gegenüber. Viele der Verhaltensweisen stammten aus den Urzeiten des menschlichen Daseins vor rund 250 000 Jahren, als sie in Familienverbänden von Höhle zu Höhle zogen, die Frauen für die Kindererziehung zuständig waren und die Männer auf die Jagd gingen.
Sechs Sprachzentren
Deshalb haben Frauen auch sechs Sprachzentren und verfügen über eine ausgefeiltere Sprache, um die Dinge genauer zu beschreiben. Vor allem die (familiäre) Beziehung sei den Frauen wichtig und werde immer wieder ausgelotet. „Vieles kommt aus der Zeit, als wir noch mit Keulen herumliefen“, sagte Sylvia Will scherzhaft und brachte etliche Beispiele dafür.
Ihre Präsentation und ihre Demonstration an einigen Landfrauen öffnete diesen nicht nur die Augen, es gab auch viel zu lachen. Ihre Ausführungen zu freiwilligen und unfreiwilligen Verhaltensweisen gaben Aufschluss über viele alltägliche Beobachtungen. So nehme das Flirten Spannungen zwischen den Geschlechtern und geöffnete Pupillen seien für beide Geschlechter ein Zeichen für sexuelle Erregtheit.
Das alles seien unbewusste Prozesse, ebenso wie die Tatsache dass ein Gegenüber in nur drei Sekunden auf seine Eignung als möglicher Sexualpartner gescannt werde. Insgesamt 50 Einzelteile am Körper drücken so irgendetwas aus und werden mit den Augen wahrgenommen.
Bei der Gestik haben die Hände eine wichtige Bedeutung, sie untermalen das Gesagte und geben eindeutige Hinweise auf den Inhalt und die Ernsthaftigkeit der Aussage.
Dominanter Daumen
Als Beispiel führte Sylvia Will die „Merkel-Raute“ an, die mittlerweile schon bei den Wissenschaftlern Beachtung gefunden hat. Sie lebt vor allem von dem Dominanzdaumen, der über allem thront und der Person so eine autoritäre Ausstrahlung verschafft. Die Geste demonstriere Gesprächsbereitschaft, aber untermauere auch ihren Machtanspruch.
Als bedrohlich empfinden viele die sogenannte Pistole, bei der die Zeigefinger auf das Gegenüber zeigen und es so attackieren. Eine beschwichtigende Geste sei dagegen das Nackenzeigen, wenn der Hals leicht schräg nach links oder rechts bewegt werde. Sie zähle zu den ritualisierten Gesten, ebenso wie das Beschwichtigungslächeln oder die flache Hand als Friedensangebot, das weltweit verstanden werde.
