Oldenburg - Vor genau 300 Jahren gelangte mit Georg Ludwig ein Welfe aus Hannover auf den englischen Thron. Unter dem Titel „Hanoverian England – Musikalische Spuren nach 300 Jahren“ wurde dieses geschichtliche Großereignis jetzt vom Barockensemble des Oldenburgischen Staatsorchesters im Schloßsaal gebührend gewürdigt.

Dramaturgin Steffi Turre führte anhand eines Skriptes des Musikwissenschaftlers Hansjörg Drauschke aus Halle, der verhindert war, in die Musik und ihre Eingebundenheit in die damalige Politik und Diplomatie ein. Die 16 Solisten des Barockensembles erweckten diese Zusammenhänge in einer schönen und kompakten Orchesterleistung zu neuem Leben.

Der bei Venedig 1654 geborene Agostino Steffani, ein Protegé der Wittelsbacher, vermittelte musikalisch, vor allem aber auch diplomatisch, zwischen Rom, München, Paris, Hannover und London. In seiner 1709 komponierten Oper „Tassilone“ bezieht er sich auf den bajuwarischen Herzog Tassilo, der wie sein Wittelsbacher Arbeitgeber beim Kaiser, hier Karl der Große, in Ungnade fiel.

Die vier Einzelstücke ließen hören, mit wie viel Herz und Emphase der in Ungnade Gefallene um sein Leben singt, um wieder die Gnade des Kaisers zu finden. Oper ist hier viel mehr als Vergnügen, sie ist zugleich ein diplomatisches Mittel, politische Zerwürfnisse aufzuheben.

Die kurzfristig eingesprungene Sopranistin Inga-Britt Andersson (der Original-Tassilo war seinerzeit mit einem Sopran-Kastraten besetzt) brillierte mit ihrer betörenden Klage ebenso wie mit technisch anspruchsvollen Koloraturen in der Arie der Morgana aus Händels Oper „Alcina“.

Georg Friedrich Händel wurde bei den Welfen in Hannover als Hofkapellmeister der Nachfolger von Steffani. Als der Hof nach London umzog, gelang es Händel, sich mit einer veränderten Tonsprache auf das großstädtische Publikum umzustellen.

Zwei seiner für London komponierten Concerti grossi, op. 6/1 und 6/6, erklangen in Oldenburg unter der Leitung von Thomas Bönisch ebenso wie weitere Opernausschnitte von Händel und Steffani in spielfreudigen und ausdrucksintensiven Interpretationen.