Oldenburg - Der Mann ist Regisseur. Er trägt einen braven Anzug und ist hübsch verlobt. Die Frau ist Schauspielerin, eine „Tussi“ in Lack und Leder, wie sie selbst sagt. Die beiden treffen aufeinander, als sie bei ihm für eine Rolle vorspricht. Doch im scheinbar so harmlosen Vorsprechen entblößen sich bald erotische Abgründe. Ein perfides Spiel beginnt. Im Theater Wrede beträgt es hundert pausenlose Minuten. Dort feierte „Venus im Pelz“ mit Magda Koop und Robert Klatt vom Künstlerkollektiv ko.produkt jetzt Premiere.
„Venus im Pelz“ aus der Feder von David Ives ist ein junges, erfolgreiches, US-amerikanisches Broadway-Stück. Im vergangenen Jahr wurde es verfilmt, nun räkelt sich die Erotikkomödie auch auf dem Spielplan des Theaters Wrede in der Klävemannstraße. Regie führt Gudrun H. Lelek.
Das Hintergründige dieses Schauspiels ist nicht nur die dauernde Machtverkehrung zwischen Mann und Frau. Es ist vor allem das bis zur Unkenntlichkeit miteinander verwobene Stück im Stück, das den Zuschauer verführt, erotische Fantasien mit der Wirklichkeit zu verwechseln.
Mal sind die beiden Darsteller nur Regisseur und Schauspielerin, die sich in einem lüsternen Liebesspiel näher kommen. Mal verlieren sie sich in der Novelle von Leopold von Sacher-Masoch aus dem 19. Jahrhundert. Diese Novelle, auf die der Begriff „Masochismus“ zurückgeht, hat es dem Regisseur angetan. Für die Hauptrolle sucht er eine „Frau von entzückender Grausamkeit“.
„Ein Sado-Maso-Porno, nicht wahr?“, kichert sie. „Eine seriöse Liebeserzählung“, beharrt er. Wir lernen, dass Schmerz sinnlich sein kann und Liebesgöttinnen Pelz tragen. „Wollen Sie mein Sklave sein?“, fragt die Frau verführerisch und zieht den Mann wie einen Hund auf allen Vieren über die nackte Bühne.
„Ganz schön hartes Zeug“, säuselt sie einmal. Aber keine Sorge, das ist „Venus im Pelz“ gar nicht. Das Schauspiel im Theater Wrede ist eher amüsant nach dem Motto: „Verarsche niemals eine Göttin!“, wie die reizende Dame am Ende klarstellt.
Gespielt wird sie von Magda Koop. Nur mit hautengem Ledermieder und Röckchen spärlich bekleidet stöckelt sie Kaugummi kauend auf ihren Absätzen über die Bühne. Mit viel Spielfreude und einem großen Pensum an Text wechselt Magda Koop gekonnt zwischen unbändiger Lust am abgründigen Spiel und erfrischendem Witz.
Den männlichen Part übernimmt Robert Klatt (30), der erst kürzlich in Berlin seine Ausbildung zum Schauspieler abgeschlossen hat. Sein Ausdruck ist überzeugend und sinnlich und macht auf jeden Fall Lust auf mehr. Karten unter Tel. 957 20 22 oder
