Rodenkirchen - Am Sonnabend nach Ostern müssen sich die Rodenkircher kurz ihre Ohren zuhalten. Denn zur Mittagszeit feuert die Leher Salutbatterie auf dem Marktplatz mit Kanonen aus dem 16. Jahrhundert Böllerschüsse ab. Das ist das letzte offizielle Startsignal zum Festprogramm aus Anlass des 500. Jahrestages der Schlacht an der Hartwarder Landwehr.
Schmeyers referiert
Veranstalter ist der Verein Freilicht-Spektakel. Schon um 11 Uhr werden das Friesendorf auf dem Marktplatz vor der Hengsthalle und die heimatkundliche Ausstellung in der Markthalle eröffnet. Die Zeremonie findet ebenfalls in der Halle statt und dürfte knapp zwei Stunden dauern. Im Mittelpunkt steht ein Fachvortrag von Dr. Jens Schmeyers über die Schlacht, die im Januar 1514 das Ende der unabhängigen Friesenrepubliken Stadland und Butjadingen einläutete.
Der 48-jährige Braker Jens Schmeyers ist Chemiker von Beruf und Experte für das mittelalterliche Friesland aus Leidenschaft. Er hat auch die Ausstellung wesentlich konzipiert. Die Ausstellung ist am Sonnabend bis 20 Uhr geöffnet, das Friesendorf bis 22 Uhr. Um 20 Uhr beginnt ein Konzert der Gruppen Wortsatia und Musica Vulgaris. Wortsatia ist der alte Ausdruck für Land Wursten; diese von Michael Tegge geleitete Gruppe spielt friesische Musik. Die Musica Vulgaris hat sich auf Landsknechts-Musik spezialisiert. Beide treten auch im Friesendorf musikalisch gegeneinander an.
Friesendorf und Ausstellung öffnen erneut am Sonntag, 27. April, von 11 bis 18 Uhr. Um 13 Uhr beginnt auf dem Marktplatz ein Treffen von 20 bis 30 Fahrern des britischen Sportwagens Morgan, das Wilfried Peters organisiert. Um 14.30 Uhr beginnt „Plattdüütsch bie Koffi un Koken“ mit Autoren des Rüstringer Schrieverkrings und Tänzerinnen des Fördervereins Lebensbrücke. Die Ausstellung bleibt bis einschließlich Sonnabend, 3. Mai, täglich von 11 bis 18 Uhr geöffnet.
Sie ist in drei große Bereiche unterteilt. Im ersten geht es um die Schlacht bei der Hartwarder Landwehr und in der Langwarder Burmeide. Jens Schmeyers und die Grafikerin Sylvia Walther, Kötermoor, haben zehn DIN-A1-Poster dazu gestaltet. Außerdem sind das Gipsmodell des Hartwarder Friesen aus dem Besitz von Harald Peplau aus Atens, Bilder von der Einweihung des Denkmals 1914 und eine Stellwand des Bürgervereins Langwarden zu sehen.
Geheimnisvoller Keller
In der zweiten Abteilung geht es um die Familie Lübben von der Häuptlingszeit über den internationalen Pferde- und Viehhandel aus Sürwürden bis zu den Lübbens in Langenriep.
Thema des dritten Teils ist Rodenkirchen – von den ersten Urkunden und den geheimnisvollen mittelalterlichen Keller unter dem Anwesen von Sven Placküter über den Wahlkampf-Auftritt Hitlers am 24. Mai 1932 und den Krieg mit dem über Rodenkircherfeld abgestürzten britischen Ko-Piloten und dem in der Schweiburg versenkten U-Boot bis zur Nachkriegszeit mit Funden aus dem Archiv der Gemeinde. Weitere Themen sind die Kirche und ihre Geschichte, das Bronzezeithaus und das Dielenschiff Hanni.
Salz aus Torf
Das Friesendorf bietet außer der Bühne elf Stände. Der Mittelalter-Experte Michael Tegge aus Bardenfleth an der Weser hat den Markt vorbereitet und Handwerker engagiert, die auf Museumsniveau arbeiten und den Stand von 1514 widerspiegeln. Dabei sein werden: der Museumsfischer Jörg Nadler, der einzige mittelalterliche friesische Salzsieer Hindrik de Sölter, der zeigt, wie die Friesen aus Salztorf Salz gewonnen haben, Hannes der Schmied aus Ollenermoor und Markus de Snitker, der Repliken spätmittelalterlichen Kinderspielzeugs herstellen wird.
Dazu werden Felle und Wolle, Backwaren, Braten, Wein, Schmuck, Bier und Met angeboten. In drei Heerlagern werden Kleidung und Waffen vorgeführt und erklärt; Gefechte mit Hieb- und Stichwaffen werden nachgestellt. Außerdem gibt es ein mittelalterliches Ponyreiten und eine Schau der friesischen Mode des Mittelalters.
