Seefeld - Ländliche Regionen sollen durch den Strukturwandel nicht abgehängt werden. Dafür wollen sich soziokulturelle Zentren wie die Seefelder Mühle künftig noch stärker einsetzen. Dabei sind viele dieser Zentren durch einen Generationswechsel selbst intern stark gefordert: Die Gründergeneration tritt ab, neue Leute sollen an ihre Stelle treten.
Diese Entwicklung war das beherrschende Thema der zweitägigen Mitgliederversammlung der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur in Niedersachsen (LAGS) in der Seefelder Mühle. 83 soziokulturelle Zentren aus Stadt und Land in Niedersachsen gehören der LAGS an; weil sich die Herausforderungen in Stadt und Land erheblich unterscheiden, tagten die unterschiedlichen Gruppen mehrfach getrennt.
Strukturen lösen sich auf
Wurde ländlichen Regionen noch vor nicht allzu langer Zeit eine ausgeprägte Veränderungsresistenz unterstellt, so zeigt sich inzwischen, dass sich auch hier Strukturen auflösen: Junge Leute ziehen weg, traditionsreiche Vereine finden keinen Nachwuchs mehr, der Bus macht einen Bogen um das Dorf, und der Kaufmann findet keinen Nachfolger. Gleichzeitig rücken Städter, die der Hektik und den Abgasen entfliehen wollen, in ländliche Regionen nach, stellen hier aber andere Ansprüche als die Alteingesessenen.
Die soziokulturellen Zentren haben sich vorgenommen, diese Entwicklung so zu beeinflussen, dass sich die Nachteile für das Land in Grenzen halten. Dazu wollen sie das machen, was sie bisher schon als ihre Stärke ansehen: einen Ort bieten, an dem unterschiedliche Strömungen der Gesellschaft einander begegnen können. Das sagt Dorit Klüver, die bei der LAGS für Fortbildung und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.
Zudem wollen die Zentren versuchen, die Defizite durch Kunst sichtbar zu machen, um so den schleichenden Gewöhnungsprozess zu unterbrechen. Wie das gehen kann, erläuterte der Berliner Künstler Henrik Mayer, der seit 20 Jahren Teil der zweiköpfigen Künstlergemeinschaft Reinigungsgesellschaft ist. Er lebte ein halbes Jahr in den 700 Einwohner zählenden Dorf Gramkow bei Schwerin. Zusammen mit Einwohnern entwickelte er Verkehrsschilder mit Piktogrammen, die auf Abwanderung, Überalterung und Klimawandel hinweisen.
Zweites Thema war der Veränderungsbedarf in den Zentren und ihren Trägervereinen selbst. Nach 30 Jahren muss die Gründergeneration abtreten und neuen Leuten Platz machen. Das fällt nicht leicht. Professor Dr. Dieter Haselbach, seit fast 30 Jahren Unternehmensberater für Kultur, sagte, worauf es ankommt. Er könne keine Rezepte liefern, sondern nur deutlich machen, dass diese Veränderungen ein komplexer Prozess seien, der Angst mache. Diese Angst müsse aufgenommen werden, etwa bei Tagungen mit Kunden oder Politikern. Geschehe das nicht, scheitere die Veränderung.
Geld selbst verteilen
Aus der Sicht ländlicher Zentren sprach darüber Julia Terbrack, die Geschäftsführerin der Seefelder Mühle. Für die städtischen Zentren ergriff Bernt Wach von der Kulturetage Oldenburg das Wort.
Eine erfreuliche Entwicklung für die soziokulturellen Zentren sei der bevorstehende Abschluss einer Zielvereinbarung mit dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst in Hannover, sagte der LAGS-Geschäftsführer Gerd Dallmann. Danach kann die Landesarbeitsgemeinschaft das Geld für größere Projekte künftig selbst verteilen. Bisher macht dies das Ministerium. Um auch mehr Geld zu bekommen, sei aber noch Lobbyarbeit nötig, sagte Dallmann.
