Großenkneten/Ahlhorn - „Es ist immer wieder schön in die fröhlichen Gesichter der Kinder zu schauen, wenn sie wieder einmal in Großenkneten ankommen.“ So fühlt Sigrid Nolte auch in diesem Jahr, wenn sie an die Ankunft der sogenannten „Tschernobyl-Kinder“ aus Weißrussland in Großenkneten denkt. Seit dem 2. August sind wieder 18 Kinder mit zwei Betreuern aus der Region um das Dorf Krasnaja Belarus im Süden Weißrusslands in der Gemeinde Großenkneten zu Gast.

Organisatorin der „Hilfe für Tschernobyl-Kinder in Großenkneten“ ist Sigrid Nolte. Zusammen mit Dörte Eiskamp hat sie wie in jedem Jahr haben ein buntes Programm erarbeitet. Ein erster Höhepunkt war das Eisstockschießen mit Würstchengrillen und Preisvergabe auf dem Dorfplatz in Ahlhorn auf Einladung des Vereins fürs Lebensqualität.

Am Wochenende wurde es dann kulinarisch. Am Sonntag backten die Kinder mit ihren Gasteltern Pizza im Karkenhus in Großenkneten. „Es waren viele verschiedene Pizzen dabei, denn wir wollten ja jedem Geschmack gerecht werden“, berichtet Sigrid Nolte.

Um dies zu erreichen, ist Nolte auf die Hilfe der Gasteltern angewiesen. „Ohne das großartige Engagement der Familien würde die ganze Aktion gar nicht funktionieren. Sie kümmern sich um so vieles, damit die Kinder schöne Wochen in Deutschland haben“, freut sich die 62-Jährige. Die Gasteltern wohnen nicht nur in der Gemeinde Großenkneten. Auch in Wildeshausen oder Oldenburg sind die Kinder untergebracht.

In den drei Wochen sollen sich die Kinder erholen, deren Immunsystem teilweise geschwächt ist. Durch das Reaktorunglück von Tschernobyl in der Ukraine im Jahr 1986 zog eine radioaktive Wolke über Weißrussland. Die Region im Süden des Landes, aus der die Kinder stammen, wurde dabei stark belastet. „Hier in Deutschland kann sich das Immunsystem der Kinder wieder erholen und sie erleben dazu noch ein tolle Gemeinschaft“, weiß Sigrid Nolte.

Die Kinder stammen teilweise aus sozial schwachen Familien. Deswegen fahren sie auch nie ohne großes Gepäck zurück in die Heimat. Deshalb organisieren die Kneter Gasteltern auch immer eine Kleiderkammer, bei der sich die Kinder mit Kleidung jeglicher Art eindecken können. Auch Schulbedarf nehmen die Kleinen aus Deutschland mit in ihre Heimat.

Seit 1992 organisiert Sigrid Nolte unter dem Dach der evangelischen Kirchengemeinde nun schon die Aktion. Im ersten Jahr wurden die Kinder noch im Blockhaus Ahlhorn untergebracht, „doch das wurde zu kostspielig“, so die engagierte Dame. Heute freut sie sich jedes Jahr über das große Engagement der Gasteltern.

Bis zum 25. August bleiben die Kinder noch in der Gemeinde. Bis dahin steht noch ein Besuch im Tierpark Thüle an. Nolte: „Das ist für die Kinder immer das Größte. Dort wird den ganzen Tag gerannt und gespielt. Es ist schön, sie so unbeschwert zu sehen.“ Den Abschluss bildet ein Eisessen mit dem Bürgermeister.

Heiner Elsen
Heiner Elsen Redaktion Münsterland