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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Humor: Mit spitzer Feder gegen den Tod

31.10.2016

Düsseldorf „Ich schaff’ es leider nicht alles“, meint der dinierende Todeskandidat zum Scharfrichter. „Würden Sie mir den Rest bitte einpacken?“ Die Karikatur „Henkersmahlzeit“ von Axel Bierwolf offenbart ganz speziellen Galgenhumor. Zu finden ist sie im Buch „Der letzte Str(e)ich – Karikaturen zu Tod und Bestattung“. Die 93 Blätter von fünf Künstlern zeigen nicht nur witzige bis bitterböse Cartoons rund um Sensenmann und Co., sondern werfen auch ein kritisches Licht auf den Umgang der Deutschen mit der „Entsorgung“ ihrer lieben Verblichenen.

So spießt die Zeichnerin Kirsten van Alphen den Trend zu anonymen Bestattungen auf: „Oma hätte heute Geburtstag, aber ich weiß nicht genau, wo sie liegt“, sagt ein Mädchen, das auf einem Urnenfeld planlos Blumen verteilt. Kommentar der Künstlerin: „Ist es für Angehörige wirklich eine Last, einen konkreten Gedenkort für die Verstorbenen zu haben? Ein Grab ist mehr Entlastung als Belastung.“

Die aus der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ bekannten Karikaturisten Greser & Lenz warnen vor bösen Überraschungen bei der „Supersparpreis“-Beerdigung: „Das Loch müssen Sie schon selber graben“, meint der Totengräber, als er den Trauernden Schaufel und Hacke aushändigt.

Axel Bierwolf greift in „QR-Mania“ den Trend zu Internet-Codes auf Grabsteinen auf. „Du, das ist tatsächlich Vaters Grab“, staunt ein Mann auf dem Friedhof. Von Kirsten van Alphen stammt wiederum die Idee des „Sargomat“: Man führt in das Automatenfach den Verstorbenen ein und hat bei der „Verpackung“ die Wahl zwischen Eiche rustikal, Fichte modern, Aluminium und schwarzem Lack.

Das entspricht selbstverständlich nicht dem Ethos der Branche, wie die Herausgeber vom Fachverlag des Bestattungsgewerbes betonen. Aber soviel ist klar: Sterben ist zwar eine ernste Angelegenheit, doch hat es eine „befreiende Kraft, dem Tod ins Angesicht zu lachen“, sagt Oliver Wirthmann, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur. „Der Humor angesichts des Todes hatte zu allen Zeiten seine Berechtigung und darf auch in Zukunft seinen Platz nicht verlieren, nur um dem zunehmenden und fragwürdigen Hang zu politischer Korrektheit und Abwägung nach allen Seiten Rechnung zu tragen.“

Wie sich die traditionelle Todessymbolik in der Kunst hin zur karikierenden Darstellung entwickelt hat, skizzierte schon die Kunsthistorikerin Anne-Marie Werner. Im Mittelalter gewinnt demnach der Tod durch religiöse Vorstellungen seinen bildlichen Ausdruck als Sieger oder Besiegter. Auf solche Allegorien stützten sich die Karikaturisten des 20. Jahrhunderts. Die Realität von zwei Weltkriegen, die potenzielle Vernichtung der Menschheit durch die Atombombe oder die Verbreitung von Aids habe dann einen fruchtbaren Boden für die Karikatur geboten.

„Der letzte Str(e)ich“ fokussiert auf den gesellschaftlichen Umgang mit den letzten Dingen und will nachdenklich machen, wie die Herausgeber erläutern. So wie etwa die Karikatur „Umzugspläne“ von Kirsten van Alphen: „Ich räum’ schon mal ein“, sagt der Enkel zur siechen Großmutter. „Mama sagt, du stirbst bald, dann krieg’ ich dein Zimmer.“

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