Berne - Helmut Bruns war vor seiner Rentnerzeit Gärtner. Jetzt kann sich der Bewohner des Altenpflegeheims Kückens nur noch an wenig erinnern. Als aber am Donnerstagnachmittag Geschäftsführer Hans Schröder und Ergotherapeutin Alena Spinning in seinem Zimmer in der Berner Einrichtung ein Stoffbild mit Blumen aufhängten, flackerten seine Augen kurzfristig auf, als habe er sich an Vergangenes erinnert.
Schröder und Spinning suchten nach Möglichkeiten, wie die Zimmer der Bewohner freundlicher gestaltet werden könnten. Dies sollte „biografiebezogen“ geschehen, war ihre Idee, so dass die älteren und teilweise dementen Bewohner sich vielleicht an irgendetwas aus ihrer Vergangenheit erinnern könnten.
Sie fanden Mitstreiter in der MACHbar und in der Kleiderkammer Berne. Dort suchten Annedore Janßen und Dietlind Meinders Stoffe heraus, die für andere wenig attraktiv und Ladenhüter waren und übergaben sie an Sandra Bohlken, der Leiterin der MACHbar, die sich über diese Spende riesig freute.
„Es gibt einige Bewohner in Kückens Pflegeheim, die keine Angehörigen haben. Mit genähten, bunten Stoffbildern wollen wir auch bei ihnen für schönen Wandschmuck sorgen“, erklärt die begeisterte Hobbyhandwerkerin, die mit ihrem Team immer wieder beeindruckt ist von den vielen, nicht alltäglichen Dingen, die aus der Zusammenarbeit entstehen.
Rund zehn nähbegeisterte Berner konnten bei der Aktion in den vergangenen 14 Tagen in die Räumlichkeiten in der Lange Straße gelockt werden. Sabrina Sültz war eine von ihnen. Sie arbeitete an einem Kunstwerk, dessen Grundstoffe eine alte Blümchentischdecke und Häkelspitzen sind. Die verwendeten Stoffe haben „biografische“ Muster, die von Demenzkranken vielleicht aus alten Zeiten wiedererkannt werden, ist der Hintergedanke dabei. „Manch einer hatte früher eventuell eine Schürze, Bettwäsche oder Gardinen daraus“, erklärt die Jugenddiakonin, die sich sehr über die von der Kleiderkammer der Diakonie zur Verfügung gestellten „Ladenhüter“ freut.
In den vergangenen 14 Tagen entstanden so fünf bunte Collagen, die gestern den Verantwortlichen der Einrichtung übergeben wurden. „Das sind tolle Werke“, war Hans Schröder von den Arbeiten begeistert. Demnächst werden sich neben Helmut Bruns noch vier weitere Bewohner des Hauses über Buntes an der Wand freuen.
Für Ergotherapeutin Alena Spinnung ist das Projekt ein voller Erfolg. Jetzt überlegt sie mit Hans Schröder, wie ein zweiter Schritt aussehen könnte. Das MACHbar-Team wird sicher mitmachen. „Aber vielleicht“, so Alena Spinning, „gibt es noch andere Personen im Ort, die den alten Menschen eine Freude bereiten wollen!“ Die Bewohner würden es ihnen danken.
