Tossens - Inspiriert durch den Film „Swing Kids“ hatten Wilhelm Magnus, Conny und Bo Howell gemeinsam mit den Akteuren der Klassen 10a1, 10a2 und 10e ein Stück auf die Bühne gebracht. Diese wurde von Richard Howell gestaltet. Mit dem diesjährigen Schulmusical hatte die Zinzendorfschule so ein Stück über den Teil der deutschen Jugend entwickelt, der gegen den nationalsozialistischen Einheitsstaat und seine Jugendpolitik rebellierte: Sie identifizierten sich mit anglo-amerikanischer Kultur, huldigten also dem Swing-Jazz, samt Kleidung, Tänzen und Frisuren.

Auch die Live-Band bei der Aufführung bestand aus Schülern (an Gitarre, Bass, Klavier, Schlagzeug, Cello, Klarinette und Baritonhorn), Wilhelm Magnus (Sologitarre), sowie Musiklehrerin Ute Extra und dem ehemaligen Schulleiter Jürgen Sprickerhof (beide Saxophon). In der komplexen Handlung kamen viele Aspekte zum Tragen, wobei das dramatische Bühnengeschehen, durch musikalische Einlagen untermalt oder unterbrochen wurde.

Im Zentrum des Stückes steht eine Freundesgruppe, die gerade die Oberrealschule abschließt . Ein großer Teil der Schüler hat sich in den „Bund Deutscher Mädel“ (BDM) oder die „Hitlerjugend“ (HJ) integrieren lassen und wird dort mit Propaganda des Führerstaats gefüttert.

Ein kleine Gruppe verweigert sich der „Gleichschaltung“. Unter Missachtung aller Verbote und Drohungen hören sie gemeinsam Jazz-Platten, tanzen dazu und genießen ihre heimlichen Swing-Partys, bei denen sie sich vor der Entdeckung durch die Nazi-Organisationen oder die Geheime Staatspolizei (Gestapo) hüten müssen.

Anton ist Gitarrist, Django-Reinhardt-Fan und deutscher Jude. Für seine Überzeugung bezahlt er mit von der HJ gebrochenen Fingern. Alberts kleiner Bruder ist bereits Jung-Nazi und schämt sich, weil sein Vater in „Schutzhaft“ war. Mehrere Mädels gehören zu der Gruppe, wobei Anneliese nur „überwintern“ möchte, also die Nazi-Ära überleben, während andere sich nicht mehr mit kultureller Rebellion begnügen und aktiv Widerstand leisten wollen. Während der Druck des Regimes wächst und die Jugendlichen in die Schusslinie geraten, verteilen sie oppositionelle Flugblätter oder schließen sich den „Edelweißpiraten“, ehemaligen bündischen Jugendlichen, an. Ein Mädchenchor ergänzt das Drama um mehrere historische Informationsblöcke.

Dramatisch verläuft die Beziehung zwischen Eberhard und Sarah, dem nicht mehr ganz überzeugten Jungnazi und der schönen Tochter eines jüdischen Ehepaares, die, kaum dass sie begonnen hätte, damit endet, dass er ihr dringend empfiehlt, mit ihrer Familie das Land zu verlassen.

Tragisch endet Albert, der seine abweichenden Überzeugungen im Tagebuch festgehalten hat und durch einen Sack über dem Kopf unkenntlich gemacht, ausgerechnet von seinem eigenen kleinen Bruder als „Volksverräter“ erschossen wird.

Das Ganze, technisch gut unterstützt in Licht und Ton, mit gekonnter Maske und in überwiegend überzeugender Manier gespielt, überzeugte auch als gemeinsame Leistung eines Ensembles aus drei Klassen auf der Bühne der Zinzendorf-Schulaula.