Oldenburg - Musik lebt von Wiederholungen, von wiederkehrenden Melodiefolgen und Rhythmen. Noch dazu gibt es keine Melodie, keinen Rhythmus nur einmal. Mit dieser Tatsache setzten sich Mitglieder des Bremer Ensembles New Babylon zusammen mit dem Duo Ogiermann Palmtag in einem Konzert in der klangpol-Reihe „NOIeS!“ in der Exerzierhalle auseinander.

Fulminant war bereits die Eröffnung des Konzerts mit Johannes von Buttlars Interpretation von Iannis Xenakis’ „Rebonds B“ für Schlagzeug solo, ein Stück, das seine Struktur wesentlich über die Wiederholung von Rhythmen gewinnt. Kleine Elemente werden hier immer wieder aufgegriffen, variiert, erneuert – und zwar auf höchst virtuose Art.

Mithilfe des Live-Loopings, einer Technik, in der Schleifen aus Tönen erzeugt und beliebig oft wiederholt werden können, verarbeitet Lynda Cortis das Thema Wiederholung in der Musik auf besonders anschauliche Weise. Ausgehend von einem Melodiefragment aus Javier Alvarez’ „Temazcal“ für Maracas und Tonband, das zuvor Tobias Hamann vorgetragen hatte, baut sie in einer vielschichtigen Improvisation engmaschige Tongebilde.

Mit Wiederholungen spielt auch Johannes Buttlar in seiner eigens zu diesem Anlass geschaffenen Komposition, die er zusammen mit seinen Kollegen von New Babylon und Christoph Ogiermann vorträgt.

Mit Styroporteilen, Eisenringen, Schlauch und Wasserbehälter neben Triangel, Cello und Geige schaffen er und seine Mitmusiker eine umfangreiche Klangcollage.

Christoph Ogiermann und Jürgen Palmtag fallen mit ihren Beiträgen aus dem thematischen Rahmen. „Irgendwo zwischen Ad-hoc-Hörspiel, Sprachperformance, Materialmusik, Alltagspercussion und Elektronik“ bewegt sich das Duo nach eigener Aussage.

Vielfältig experimentieren Ogiermann und Palmtag mit Sprache, die sie elektronisch verfremden, mit weiteren Klängen anreichern, und lassen mit Gelächter, Gebrumme, Geschrei ihrem Spieltrieb freien Lauf.

Schleifen, Schlaufen, Wiederholungen und immer wieder dasselbe Lied? Von wegen! Wie spannend das Spiel mit Wiederholungen sein kann, zeigen die Musiker von New Babylon zusammen mit Christoph Ogiermann noch einmal in einer abschließenden Improvisation. Über Wiederholungen entsteht hier ein gemeinsames Musikstück, das ausreichend Freiheit für die einzelnen Künstler lässt.