Moorriem - Was sich hinter dem Begriff „Wuddeldick“ verbirgt, das wissen die Mädchen und Jungen der Plattdeutsch-AG an der Grundschule Moorriem schon längst. Nicht nur, weil die Schüler das gleichnamige Buch von Ines Hühnlein kennen, sondern weil sie das typisch norddeutsche Gericht schon selbst gegessen haben.

„Ich hab das gestern erst gekocht. Aber es ist nicht ganz gelungen, es war zuviel Flüssigkeit drin“, berichtet zum Beispiel Fiete, bei dem schon die Oma seiner Oma wusste, wie man „Wuddeldick“ zubereitet. Denn „Wuddeldick“ ist eigentlich ein typisches regionales Gericht: eine dicke Möhrensuppe, aus Wurzeln (Möhren), Kartoffeln und Speck – „kanns ok Kasseler nehmen“, heißt es im Rezept, das in dem neuen Buch von Ines Hühnlein und Illustrator Klaus Henicz enthalten ist. Aber nun mal ganz von vorn.

Lehrerin Ines Hühnlein, die eigentlich aus Thüringen stammt, hatte sich schon längst in die plattdeutsche Sprache verliebt, als sie im Lehrerzimmer an der Grundschule Moorriem wieder eines dieser tollen plattdeutschen Wörter hörte: „Wuddeldick“. Denn dass sollte es an diesem Tag bei einer ihrer Kolleginnen zum Mittagessen geben.

„Ich fand das Wort so lustig, dass es mich nicht mehr losgelassen hat“, erinnert sich Hühnlein. Auf der Autofahrt kam ihr die Idee zu einer Geschichte, erzählt sie. Als sie sich dann noch mit ihrem Kollegen Klaus Henicz, der zu der Zeit als Förderschullehrer in Moorriem arbeitete und dessen Leidenschaft schon immer das Zeichnen war, über Kinderbilderbücher unterhielt, war die Idee zum Buch geboren.

Hühnlein schrieb die Geschichte zunächst auf Hochdeutsch, Henicz zeichnete die passenden Bilder dazu. „Und weil Klaus selbst Moorriemer ist, hat er Oma Koopmann – so heißt eine der beiden Hauptfiguren – ein wunderschönes altes Fachwerkhaus gezeichnet“, schwärmt Schulleiterin Ulrike Peine-Müller.

Überhaupt sei das plattdeutsche Kinderbilderbuch nicht nur etwas für Kinder sondern auch für Erwachsene, sind sich Hühnlein, Peine-Müller und Henicz einig, gerade wegen der vielen kleinen Details in den Zeichnungen, die die ältere Generation noch als so typisch für Moorriem und die alten Bauernhäuser kennen dürften.

Und weil alles in dem Buch so typisch für Moorriem ist, musste das Bilderbuch einfach mit plattdeutschen Texten ausgestattet werden. So holte Ines Hühnlein, die zwar schon fleißig Plattdeutsch übt, aber noch kein Profi ist, Anke Koopmann mit ins Boot. Die Moorriemerin ist plattdeutsche Muttersprachlerin und leitet die Plattdeutsch-AG an der Grundschule. Mit „Oma Koopmann“ ist sie allerdings nicht verwandt, stellen die Beteiligten schmunzelnd klar.

Die abenteuerliche Geschichte des Wuddelkeerls „Wuddeldick“, der eines Tages aus dem Kochtopf von Oma Koopmann plumpst und sich im alten Fachwerkhaus auf Entdeckungstour begibt, hat während seiner Entstehung neben den Beteiligten auch dem ganzen Kollegium größtes Vergnügen bereitet, erzählt Peine-Müller. „Klaus hat immer wieder Bilder mitgebracht, auf die wir uns schon immer sehr gefreut haben“, sagt sie. Schließlich war Klaus Henicz so in der Geschichte drin, dass er das Ende, das Ines Hühnlein eigenlicht vorgesehen hatte, einfach ignorierte. „Ich hab einfach weiter gezeichnet und Ines gesagt, dass sich zu den neuen Bildern noch mehr Text einfallen lassen muss“, erzählt er.

Das dies die richtige Entscheidung war, beweist das nun fertige Buch. Und wer nach der Lektüre hungrig geworden ist, der kann das im Buch enthaltene Rezept nachkochen.

Merle Ullrich
Merle Ullrich Redaktion Brake