Hude - Punkt neun Uhr beginnt jeden Donnerstag die Lebensmittelausgabe. Der Ansturm auf den Kulturhof in Hude ist dabei riesig. Das hat seinen Grund: Hinter dem Gebäude befindet sich die Ausgabestelle der Tafel in Hude.
Seit Stunden wird hier schon fleißig gearbeitet. Die Leiterin der Ausgabestelle in Hude, Helga Gerdes, und ihr Stellvertreter Rainer Sengbusch kümmern sich zusammen mit vielen freiwilligen Helfern um den reibungslosen Ablauf. Bevor die Waren ausgegeben werden können, müssen sie zunächst sortiert und in die Regale eingeräumt werden. Außerdem muss sich um die Kasse der Ausgabenstelle gekümmert werden.
Seit sieben Uhr ist Helga Gerdes vor Ort, um alles vorzubereiten. Um halb acht werden die Lebensmittel von der Delmenhorster Tafel aus angeliefert. „Die ersten Gäste sind schon um halb fünf da. Sie helfen uns dann beim Reintragen der Waren. Alle sind sehr hilfsbereit, das ist schön zu sehen“, verrät Gerdes.
Wenn um neun Uhr dann die Pforten der Ausgabe öffnen, ist einiges los. 120 Personen seien im Schnitt tagtäglich da, erzählt Rainer Sengbusch. Die Zahlen hätten durch die Flüchtlingswelle zugenommen. „Die Lebensmittel sind knapp, aber es geht“, sagt der stellvertretende Leiter der Tafel. „Wir gucken, dass wir die Ware gerecht verteilen.“ Anfangs sei es unruhig gewesen. Neid herrschte vor, so Gerdes. Aber seitdem es eine Liste gibt, in die sich jeder Gast eintragen muss, hätte man Ruhe reinbekommen.
„Dadurch haben wir Ordnung reingebracht“, erklärt die Leiterin. „Jeder trägt sich ein und die Liste wird dann der Reihe nach abgearbeitet“, ergänzt Sengbusch. „Das läuft jetzt hervorragend. Keiner drängelt sich mehr vor.“
Die Tafel ist nicht nur ein Ort für Lebensmittel, sondern auch ein Ort der Kommunikation. „Wir haben hier viele nette Gespräche. Ich kenne meine Gäste und wir unterhalten uns über vieles, auch über Probleme“, sagt Gerdes. Unter ihnen sind auch viele Rentner. „Für sie ist es wichtig rauszukommen und sich zu unterhalten. Denn wir sind hier alle gleich“, sagt die Leiterin.
Heike L. ist Tafelgast der der ersten Stunde. Die 56-Jährige leidet unter einer chronischen Krankheit und bezieht dadurch Arbeitsunfähigkeitsrente. „Das hilft mir jede Menge und die Leute die das hier machen, sind so lieb. Sie haben immer ein offenes Ohr für unsere Probleme und vor allem, machen sie das alles freiwillig“, erzählt sie. Seit zehn Jahren ist sie auf die Tafel angewiesen. „Die Rente reicht nicht und darum nehme ich das Angebot gerne an. Wenn es das nicht geben würde, wüsste ich gar nicht, wie ich über die Runden kommen sollte. So geht es vielen hier.“ Probleme, hier vor zehn Jahren herzukommen, hatte sie keine, gibt Heike Land an.
„Durch die Flüchtlingswelle gibt es jetzt natürlich nicht mehr so viele Lebensmittel. Ich persönlich kann mich aber nicht beklagen. Es ist immer noch genug“, sagt Land.
