Schwei - „Friede sei ihr Erstgeläut.“ Mit den frei nach Friedrich Schiller gewählten Worten gab Pastor Bernd Eichert am Sonntag während des Gottesdienstes das Kommando zum ersten Gongschlag der neuen Bronzeglocke in der Schweier St.-Secundus-Kirche. Küsterin Anke Meyer hatte die ehrenvolle Aufgabe, das Läutwerk in Bewegung zu setzen. Die zahlreichen Besucher des Gottesdienstes mussten sich allerdings noch einige Sekunden gedulden, bis endlich der erste Ton erklang.
Wie beim Pferdemarkt
Zuvor war mit einem symbolischen Handschlag zwischen Pastor Eichert und dem Vorsitzenden des Kirchbauvereins, Dr. Cord Diekmann, das Eigentum der Glocke auf die Kirchengemeinde Schwei übertragen worden. „Die Übergabe geschieht ähnlich wie auf dem Pferdemarkt mit einem ,brevi mano traditio‘, wie Juristen es nennen“, erklärte Diekmann scherzend. Allerdings entfalle der obligatorische Blick ins Maul, da es sich hierbei um ein Geschenk handele. Die neue Glocke trägt den Namen Friedensglocke.
140 Einzelspender, ein größerer Betrag der Gemeinde Stadland und eine Deckungszusage der Waltraut-und-Werner-Hofmann-Stiftung ermöglichten die Wiederbeschaffung der Bronzeglocke in Rekordzeit. Diekmann dankte auch den vielen ehrenamtlichen Helfern innerhalb und außerhalb des Kirchbauvereins und hier vor allem Elektriker Jürgen Hahn und Zimmermannsmeister Klaus Duhm, die in der letzten Bauphase wichtige Arbeit geleistet hatten.
Mit der Übergabe verknüpfte Cord Diekmann auch den Wunsch eines sorgfältigen Umganges sowie einer fachgerechten Wartung und Pflege der Friedensglocke und wünschte sich, dass sie keinen Krieg mehr erleben müsse. Denn in den beiden Weltkriegen waren die beiden Vorgängerinnen abgenommen und eingeschmolzen worden. „Möge der Klang unserer Glocke auch zum inneren Frieden in unserem Dorf und in unserer Kirchengemeinde beitragen“, wünschte sich Cord Diekmann in seiner Ansprache weiter.
30-jähriges Bestehen
Gleichzeitig mit dem Erstgeläut feierte der Kirchbauverein beim anschließenden Gemeindefest auch sein 30-jähriges Bestehen. Er wurde auf den Tag genau am 22. Juni 1984 von 37 Gründungsmitgliedern aus der Taufe gehoben. Der seit der Gründung nur bei der Euro-Umstellung leicht erhöhte Beitrag von 13 Euro sei ein Zeichen großer Stabilität und Kontinuität.
Dr. Cord Diekmann ist der fünfte Vorsitzende des Kirchbauvereins und seit 2012 im Amt. Seine Vorgänger waren Jeanette Maschke (1984 bis 1996), Lotte Rohde-Henschel (1996 bis 1998), Marianne Briesemeister (1998 bis 2004) und Ehrenvorsitzender Dr. Hinderk Bruns (2004 bis 2012). Als „Motor des Vereines“ wurde die Zweite Vorsitzende Judith Judis bezeichnet, die sich von 1984 bis 2002 unermüdlich für die Restaurierungsarbeiten einsetzte.
In all den Jahren konnte der Kirchbauverein die Bilder der Empore und die Silberleuchter von 1847 restaurieren, das aus dem 16. Jahrhundert stammende Abendmahlsgerät erneuern, die fehlenden Schnitzereien des Altaraufsatzes ergänzen und schließlich auch die zweite Glocke wiederbeschaffen.
