Harpstedt/Klein Ippener - „Luther gehört uns beiden“ sagte der Domkapitular und scheidende Twistringer katholische Dechant Reinhard Molitor beim fünften Harpstedter Stiftungsmahl am Dienstag in Hackfeld´s Dorfkrug. Monsignore Molitor sprach über den Reformator aus katholischer Sicht und offenbarte sich selbst einmal mehr als ökumenischen Theologen, der seine 100 Zuhörer nachdenklich machte und begeisterte.
Zuvor war er vom Vorsitzenden des Kuratoriums der Kirchen-Stiftung der evangelischen Gemeinde Dieter Claußen begrüßt worden, der sich dankbar zeigte für einen Kapitalstock von zurzeit 278 440,17 Euro. Der überwiegend katholische Twistringer Chor „Die Churchies“ unter Leitung von Claudia Melcher sorgte für einen musikalischen Rahmen. Gastwirt Dieter Winkler bereitete für die Gäste das Spargelessen vor und spendete am Ende sogar mehr als seinen Erlös, nämlich 915 Euro für die Stiftung.
Im Rahmen der Reformationsdekade im Vorfeld von „500 Jahre Reformation 2017“ erinnerte Molitor in seiner Festrede an die tiefen Gräben zwischen evangelischen und katholischen Christen noch vor 70 Jahren. Die Flucht vieler Katholiken in hiesige Gebiete und die Gastfreundschaft für katholische Gottesdienste in der evangelischen Christuskirche in Harpstedt und anderswo half Gräben zu überwinden. Molitor brachte mehrere Beispiele, dass „die Welt heute nicht mehr gern zwischen evangelisch und katholisch unterscheidet“.
Luther aus katholischer Sicht sieht er unter vier großen „W’s“: „Luther hat uns weh getan, wie er gelebt und was er geschrieben hat.“ Vieles war zeitbedingt und er wollte die Kirche nicht spalten. Molitor zitierte Luther, der den Papst als „verzweifelten Spitzbuben und leibhaftigen Teufel“ tituliert hat. „Luther ging es im Tiefsten um den Glauben“ sagte der katholische Theologe. Er habe zum Zweiten die Kirche „geweckt“, habe sie herausgefordert, Fragen zu beantworten. Unter dem dritten Stichwort „Wunderliches“ zeigte Molitor Widersprüche und Überraschendes bei Luther: So ist er ein auch katholischerseits geschätzter Liederdichter und war ein Marienverehrer.
Zum Vierten gelte es „Wunden zu bekennen“: So seinen – sicher auch zeitbedingten – Judenhass. Molitor schlug ein gegenseitiges Schuldbekenntnis zum Jubiläum 2017 vor.
Nach seiner Ansicht wäre die Kirche „ohne jemanden wie Martin Luther nicht heil aus der damaligen Zeit herausgekommen“.
