MOORSEE - Bürgermeister Raffetseder hielt eine Ansprache auf Platt. Dafür bekam er viel Beifall.
von horst rix
MOORSEE - Ausschließlich Plattdeutsch war angesagt zum „Plattdüütsch-Dag“, der anlässlich des Europäischen Sprachentages eigentlich gestern am 26. September hätte begangen werden müssen. Doch der Rüstringer Schrieverkring hatte schon am Sonntag seinen „Plattdüütsch-Dag“ in der Moorseer Mühle veranstaltet. Rund 60 Sprachen-Interessierte waren dazu gekommen.Der Nordenhamer Bürgermeister Dr. Georg Raffetseder hielt dem Anlass entsprechend eine Ansprache auf Plattdeutsch, für die es viel Beifall gab. Raffetseder sagte, dass er sich über die Pflege der eigenständigen Sprache Plattdeutsch durch den Rüstringer Heimatbund und den Schrieverkring sehr freue. „Plattdeutsch gehört einfach in unsere Landschaft“, betonte er.
Zu den weiteren Gästen, die Kring-Baas Klaus Wessels begrüßte, gehörten der Butjadinger Bürgermeister Rolf Blumenberg, Pfarrer Werner Könitz aus Rodenkirchen, Stadlands stellvertretende Bürgermeisterin Mathilde Ehlers, die Vorsitzende der Oldenburgischen Landschaft, Annedore Christians, und der Vorsitzende des Rüstringer Heimatbundes, Hans-Rudolf Mengers. Mit der Veranstaltung wolle der Schrieverkring laut Wessels aufzeigen, dass die plattdeutsche Sprache noch lebt. Ziel müsse sein, die jüngere Generation für diese Sprache zu begeistern. „Wir Plattschnacker müssen immer wieder deutlich machen, dass unsere Sprache in Norddeutschland ein Stück kulturelles Erbteil bleibt“, sagte Wessels.
„Was in Rodenkirchen der Markt ist, ist in Moorsee der Plattdüütsch-Dag", meinte der Heimatbund-Vorsitzende Hans-Rudolf Mengers. Doch ein solcher Tag im Jahr sei viel zu wenig, sagte er. „Platt hat eine Bedeutung, daran müssen wir ständig arbeiten, auch auf völlig neuen Gebieten.“ Dazu zählte er zum Beispiel das Aufstellen von Schildern mit plattdeutschen Ortsnamen.
Dann hatten die Autoren das Wort. Hugo Ahlhorn erinnerte mit einem Gedicht an den vorjährigen „Plattdüütsch-Dag“ in Moorsee und brachte weitere erheiternde Gedichte zu Gehör. Ihm war der große Beifall ebenso sicher wie dem Nachwuchs: Zwei 13-jährige Mädchen aus Moorriem, die beim plattdeutschen Vorlesewettbewerb der Oldenburgischen Landschaft auf Bezirksebene gewonnen und beim Niedersachsen-Entscheid die Plätze drei und vier belegt hatten. In Moorsee überzeugten Mareike Gloystein mit einer Geschichte von Heinrich Diers („De Butjenter Buuer“) und Lena Pflug mit einem „Familien-Stück in drei Akten“ von Irmgard Harder. Eine nachdenkliche Geschichte über die „düütsch-polnische Fründschaft“ trug Myra Stuhrmann vor, und Erwin Tönjes erzählte „van de Möhl an'n Diek in Schweiburg“. Lustig wurde es mit Anton Janssen, der von „Jan Harms sien Hund“ erzählte.
Nach der Pause hielt Rolf Blumenberg eine Festrede, in der er bedauerte, dass sich das Plattdeutsch-Reden immer mehr zurück entwickele. Blumenberg: „Wir alle müssen uns mehr für das Plattdeutsche einsetzen, jeder auf seine Art, denn Platt ist ein Teil von uns.“
Weitere teils besinnliche, teils erheiternde Beiträge steuerten Diethold Borchers, Annegret Martens, Ewald Gierke, Erika Braasch, Waltraut Wiemer und Klaus Wessels bei. Reinhard Meyer aus Rönnelmoor berichtete von seinen plattdeutschen Schriftwechseln mit Politikern. In Moorsee verlas er einen plattdeutschen Brief vom Bremer Bürgermeister Henning Scherf.
