MOORSEE - Wer anschauliche Informationen über die Entstehung der Mühlenlandschaft in der Wesermarsch, über ihre Blütezeit Anfang des 20. Jahrhunderts und das langsame Verschwinden der Windmühlen in den vergangenen Jahrzehnten sucht, findet in Moorsee Einzigartiges.
„Dies ist ein Fachmuseum für regionale Mühlengeschichte und -technik“, sagt Museumsleiter Nils Meyer (36). „Das Ensemble ist etwas ganz Besonderes. Bis auf das 1991 errichtete Ausstellungsgebäude ist alles denkmalgeschützt. Die Moorseer Mühle ist nach unserer Kenntnis das größte am Originalschauplatz bewahrte und museal erschlossene Mühlenensemble in Niedersachen“, so Meyer.
Besucher werden hier mit „Glück zu!“, dem traditionellen Gruß der Müller willkommen geheißen. 2009 wurden genau 10 750 Interessierte gezählt. Darunter waren 43 Schulklassen und Kindergartengruppen.
Der Mittelpunkt des Museums, die Mühle, ist noch im Besitz der Familie Reinken. Der Galerieholländer ist in den Jahren 1903/1904 entstanden. Während umfassender Sanierungsarbeiten 2005 und 2006 sind Ziegelmauerwerk, hölzerner Achtkant, Fenster und Fußböden instand gesetzt, die Flügel erneuert worden. Eine Rute, also ein Flügelpaar, hat ein neues Jalousiesystem erhalten. Mühlenkappe und umlaufende Galerie sind komplett neu konstruiert worden. Seit der Sanierung ist die Mühle wieder betriebsbereit.
1977 hatte der letzte Müller hier, Heinrich Reinken, den Betrieb eingestellt. Ein Jahr später richtete der Landkreis Wesermarsch ein landwirtschaftliches Museum ein. Unter der Betreuung des Rüstringer Heimatbundes ist daraus ein Mühlen-Fachmuseum entwickelt worden.
Am 22. Mai soll eine Art Landfrauencafe eingeweiht werden. „Wir hoffen, bis Ende 2012 das Müllerhaus sanieren und dann dort die Wohn- und Arbeitswelt der Müllerfamilie zeigen zu können“, berichtet Museumsleiter Meyer. Der Landkreis hatte das Müllerhaus 2004 erworben.
Im Museumsgebäude ist die Dauerausstellung zur Mühlengeschichte untergebracht – mit Modellen, Dioramen und historischen Fotografien. Ein Film informiert Besucher über Betrieb und Funktionsweise der Mühle.
Auch die Originalwerkstatt des Mühlenbauers Hermann Schwarting ist zu sehen. Er hat nach verheerendem Feuer den Oberbau 1903/1904 neu errichtet. Das achtkantige Ziegelsteinmauerwerk stammt von der 1840 gebauten Vorgängermühle.
Auf dem Mühlenplatz war bereits vor mehr als 300 Jahren Getreide gemahlen worden. Vor dem Müllerhaus hatte eine kleine Bockwindmühle auf Findlingen gestanden.
In der Mühle sind heute neben den beiden Mahlgängen auch eine Haferquetsche, zwei Graupenschälmaschinen, ein Doppelwalzenstuhl und ein Elevator zu sehen.
Auf dem weiträumigen Gelände stehen Scheunen, Viehställe und ein Göpelhaus. Eine Fluttermühle demonstriert das Wasserschöpfen mit Windkraft.
Das Museum bietet auch ein vielseitiges Veranstaltungsprogramm. Zum internationalen Museumstag am Sonntag, 16. Mai, ist der Eintritt frei. Die Mühle wird wieder in Funktion gesetzt. Kostenlose Führungen werden angeboten. Bis 31. Oktober ist das Museum dienstags bis sonntags jeweils von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
